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„Die Nichtteilnahme am Euro war ein komparativer Vorteil für die schwedische Wirtschaft“(Caroline Baekkevold Forsberg, SEB)   Facebook be



08.09.2011
 
Interview mit Caroline Baekkevold Forsberg, Portfolio Managerin Nordic Equities (SEB)

BE: Die skandinavischen Börsen haben das übrige Europa – zumindest laut MSCI Europe und MSCI Nordic seit 1995 regelmäßig abgehängt. Dennoch fristen die Skandinavischen Börsen eher ein Schattendasein in Europa. Skandinavische Aktien oder Fonds werden selten den Anlegern aktiv empfohlen. Was sehen sie hier als den Grund (zuwenig Bekanntheit, zu wenige Fonds verfügbar?)?

Caroline Baekkevold Forsberg: Ich weiß nicht, wie verbreitet skandinavische Aktien bei europäischen Anlegern sind, aber wir betrachten schon seit vielen Jahren Skandinavien als interessante Investmentregion. Vielleicht erachten europäische Anleger Skandinavien als ein zu kleines Investmentuniversum. Da viele der großen Fondsmanager außerhalb Skandinaviens angesiedelt sind, fühlen sie sich auch möglicherweise wohler in Märkten in ihrer Nähe. Mit der jüngsten Wirtschaftskrise und der fortgesetzten europäischen Schuldenkrise suchen Anleger nun attraktive Investmentmöglichkeiten in Regionen mit weniger Wirtschaftsproblemen. Gesunde Finanzen der skandinavischen Staaten und ein guter Wachstumsausblick haben das Augenmerk der Anleger von überall in der Welt auf Skandinavien gerichtet, als auch die Attraktivität als Investmentregion erhöht.

BE: Was ist das Geheimnis der skandinavischen Staaten? Warum wachsen deren Unternehmen schneller als im übrigen Europa?

Die skandinavischen Länder haben schon frühzeitig ihr Geschäft auf die Schwellenländer ausgereichtet. In der jüngsten Krise hielten sich dies Länder besser als Europa oder die USA. In der wirtschaftlichen Erholung, die wir jetzt sehen, sind die Schwellenländer (zB die BRIC-Staaten) die Antriebsmaschine in der Weltwirtschaft, wovon auch Unternehmen, die dort präsent sind, profitieren. Für viele der skandinavischen Unternehmen, etwa die Hersteller von Produktionsmitteln, ist der Anteil am Gesamtumsatz in die Schwellenländer in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen. Auch die florierende deutsche Wirtschaft war günstig für die skandinavischen Unternehmen, da Deutschland einen wichtigen Exportmarkt darstellt.

BE: Wie ist die Staatsverschuldung und Verschuldung der Unternehmen im Vergleich zum übrigen Europa?

In Verbindung mit der Wirtschaftskrise bekam die Fokussierung auf den Cahsflow für viele Unternehmen oberste Priorität, um zu überleben. Reduzierung der Lagerbestände, Personalkürzungen und sehr geringe, wenn überhaupt, Investitionsausgaben erzeugten gute Cashflows und stärkten die Firmenbilanzen. In einigen Fällen wurden Kapitalmaßnahmen nötig, um die Schulden herunterzufahren. Heute sind skandinavische Unternehmen besser kapitalisiert, mit einer gesünderen Eigenkapitalrate, und sind positioniert, M&A-Übernahmedeals durchzuführen, um ihre Marktanteile zu verbessern. Was die Staatsfinanzen anbelangt, haben wir den Eindruck, dass alle skandinavischen Länder gesunde und stabile Staatsfinanzen haben.

BE: Wie haben sich die Währungen entwickelt? Ist die Nichtteilnahme am Euro (außer Finnland) gar ein Vorteil?

Rückblickend kann man wohl sagen, dass die Nichtteilnahme am Euro ein komparativer Vorteil für die schwedische Wirtschaft während der Wirtschaftskrise war. Die schwedische Wirtschaft ist sehr abhängig vom Erfolg ihrer Export-Industrie und die schwächere Schwedenkrone im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise hat eine wichtige Rolle bei der Erholung der schwedischen Wirtschaft gespielt. Die schwedische Wirtschaftsleistung und Beschäftigung sind nun höher als vor der Krise!

BE: Es heißt, skandinavische Unternehmen dachten immer schon global, weil wegen der geringen Bevölkerungsdichte der Binnenmarkt – gerade für innovative Produkte - meist zu klein war. Wie sehen Sie das?

Ja, da stimme ich zu. Skandinavien hat in Summe 25 Millionen Einwohner. Um das Wachstum zu gewährleisten, sahen bereits frühzeitig viele Unternehmen die Notwendigkeit, ihre Geschäfte außerhalb des Heimmarktes auszudehnen.

BE: Wie groß sind die Marktkapitalisierungen der vier Länder?

Die Marktkapitalisierung von Skandinavien ist ungefähr 7,4 Billionen Schwedenkronen


BE: Die skandinavischen Länder sind recht heterogen. Schweden ist für einige große Firmen bekannt sowie einige Spezialhersteller wie SKF, Norwegen ist vor allem öllastig. Wofür steht Finnland (von Nokia mal abgesehen) und wofür Dänemark?

In Finnland gibt es Marktsegmente wie Versicherungen und Energieerzeuger und viele Unternehmen mit Russland- und Osteuropa-Geschäft. Dänemark bietet die Möglichkeit, in weltweit führende Unternehmen der Schiffs-, Brauerei- und Gesundheitsindustrie zu investieren.

BE: Frau Baekkevold Forsberg, danke für das Gespräch!



Zum Fonds „SEB Nordic Fund“: http://www.sebassetmanagement.de/
ISIN: LU0030165871, Fondsvolumen: 61 Mio. Euro.

Zum Unternehmen: Die früher als Stockholm Enskilda Banken firmierende skandinavische Finanzgruppe SEB beschäftigt einen Mitarbeiterstab von 20.000 Personen, von denen 700 auf das SEB Asset Management und 1000 auf das SEB Wealth Management entfallen. Erstere verwalten ein Fondsvermögen von 80 Mrd. Euro, letztere ein gemanagtes Vermögen von 110 Mrd. Euro.


 
 

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