Aus dem Cafe BE mit den FMA-Vorständen Helmut Ettl und Kurt Pribil: (gesamter Text: http://www.boerse-express.com/ )
Cafe BE: Ich möchte noch kurz auf den Franken eingehen. In Österreich werden CHF-Kredite an Private nicht mehr vergeben, die Banken sitzen aber auch in Osteuropa auf hohen Beständen. Sehen Sie angesichts der jüngsten Währungsentwicklung hier ein neues Risikopotenzial für die österreichischen Banken?
Helmut Ettl: Wir haben auch für Osteuropa mit den österreichischen Banken vor zwei Jahren vereinbart, dass keine neuen CHF-Kredite mehr vergeben werden. Generell materialisiert sich nun das, wovor wir immer gewarnt haben: CHF-Kredite tragen nicht nur ein unmittelbar ökonomisches Risiko in sich, sondern auch ein riesiges Rechtsrisiko, wenn sie flächendeckend vergeben werden. Das sieht man auch in Österreich: Die Durchsetzung von abgeschlossenen Verträgen gestaltet sich de facto sehr schwierig. Auch wenn in den Verträgen eine Konvertierung ab gewissen Kursen festgeschrieben ist, kann das in der Realverfassung nicht entsprechend durchgesetzt werden, weil es eben um so viele Konsumenten geht. In Osteuropa kommt noch die staatliche Ebene hinzu: Wir wissen, dass in Ungarn eine Spezial-Gesetzgebung erfolgt, in Kroatien ebenso, was sich sicherlich belastend auf die dort tätigen Banken auswirkt.
Kurt Pribil: In Österreich haben wir de facto seit 2008 ein Verbot für Fremdwährungs-Kredite an private Haushalte. Daran halten sich die österreichischen Banken auch. Seit Oktober 2008 hat sich das Fremdwährungs-Volumen an die privaten Haushalte währungsbereinigt um 15% oder mehr als 6 Mrd. Euro reduziert. Währungsbereinigt heisst aber eben unberücksichtigt des Anstiegs des CHF.
Cafe BE: Die Banken haben für die Fremdwährungskreditnehmer Task Forces eingerichtet. Sind Sie mit diesen in Kontakt?
Ettl: Wir beobachten sie, geben aber sicher keine Empfehlungen ab. Denn jeder Kredit muss in Verbindung mit Tilgungsträger, Fristigkeiten etc. gesehen werden. Es kommen wahrscheinlich auf tausende Österreicher hohe Belastungen zu. Das kann man nicht wegdiskutieren.
Cafe BE: Dieses Neuvergabe-Verbot bezieht sich ja nur auf Private, aber nicht auf Kommunen bzw. den öffentlichen Bereich. Überlegen Sie hier eine Empfehlung?
Ettl: Das muss staatlich geregelt werden.
Pribil: Unsere Adressaten bei den Empfehlungen sind die Banken, nicht die Konsumenten. Hier haben wir durch die Krise gesehen, dass es zu einer systematischen Gefährdung des Risikomanagements der Banken kommt, daher ein klares Stopp. Aber wir können das nicht auf die Gemeinden ausweiten. Ettl: Wir hatten es mit einem systemgefährdenden Herdentrieb zu tun, der nach Osteuropa exportiert wurde. Im Wesentlichen wurden hunderttausende Mini-Hedgefonds produziert.
Pribil: Beim Ersparten geht der Österreicher im Schnitt mit dem Geld eigentlich sehr sorgsam um. Bei der Kreditaufnahme hat sich dieses Risikobewusstsein aber trotz aller Warnungen nicht so herumgesprochen.
Cafe BE: Noch einmal kurz zu CEE und dem gestiegenen Frankenkurs: Droht den Banken ein neues Risiko?
Ettl: Es gibt keine Neuvergabe mehr, das sind alles Altlasten. Diese werden aber noch lange Zeit in den Bilanzen nachwirken, weil die Fristigkeiten so lange sind.
Interview: Bettina Schragl






