Nach Einschätzung des Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff wird die US-Notenbank Federal Reserve wahrscheinlich beschliessen, mit einer dritten Runde der quantitativen Lockerung über Anleihenkäufe zu beginnen. Die Fed werde diesmal “entschlossener” handeln, um die Konjunkturerholung in den USA abzusichern, sagte Rogoff.
Der Offenmarktausschuss der Fed wird seine Entscheidungen um 20.15 Uhr MESZ in Washington bekanntgeben. “Sie sollten sicherlich sofort etwas tun”, sagte Rogoff, ein früherer Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds. Es sei jedoch schwer abzuschätzen, ob es dem Fed-Vorsitzenden Ben S. Bernanke sofort gelingen werde, die Unterstützung der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) zu gewinnen. Der zinspolitische Ausschuss der Fed tagt einen Tag nach den schlimmsten Kurseinbrüchen an der Wall Street seit Dezember 2008. Bernanke hatte bereits im Juli die Optionen der Fed dargelegt, darunter zusätzliche Wertpapierankäufe oder die Beibehaltung niedriger Zinsen für einen längeren Zeitraum.
Die beiden ersten Runden der quantitativen Lockerung hatten das Ziel, die Arbeitslosenrate unter neun Prozent zu bringen, nicht erreicht. Ökonomen von JPMorgan Chase & Co., BNP Paribas und Goldman Sachs Group erwarten, dass die Fed die Beibehaltung der geldpolitischen Anreize in Rekordhöhe zusichern wird. Sie könnte dazu erklären, dass sie ihre Bilanzsumme von 2,87 Billionen Dollar “für einen längeren Zeitraum” beibehalten werde, hiess es.
Die Leitzinsen hat die Fed bereits seit 2008 nahe Null belassen. Rogoff forderte eine “viel aggressivere Geldpolitik, egal wie unpopulär das sein mag”. Die Fed werde “entschlossener” handeln, sagte Rogoff, 58, weiter. So solle die Fed “in sehr klaren Erklärungen” darlegen, dass sie versuche, eine “moderate Inflation” zu schaffen. Offizielle Vertreter sollten jedoch nicht wieder versuchen, die Aktienkurse anzuschieben, das sei eine “schlechte Idee”, sagte Rogoff. Nach Ansicht von Rogoff hätte die Fed ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren ausweiten sollen, “so umstritten es auch war.” Die Fed hatte im Juni die zweite Runde der Anleihenkäufe beendet. Sie hatte US-Staatspapiere im Volumen von 600 Mrd. Dollar angekauft. “Sie müssen viel entschlossener handeln”, betonte Rogoff.
(Bloomberg)






