Interview mit Carl Ghielen, Senior Client Portfolio Manager Dividenden bei ING IM, über den Nutzen von High-Dividend-Anlagestrategien
BE: An sich ist es eine alte Geschichte, die in den frühen 90ern populär wurde, dass hochrentierliche Aktien den Markt outperformen. Doch stimmt das in allen Marktphasen? Im Jahr 2007 hat der ING L Invest Euro High Dividend (LU0127786431) mit –10% stark underperformt. Warum?
Carl Ghielen: Das stimmt. Im Jahr 2007 underperformten alle unsere High-Dividend-Strategien. Das erklärt sich vor allem daraus, dass sich der Markt am Ende des Zyklus befand (wie in 1999). In dieser Phase funktionieren tendenziell Momentum-Strategien sehr gut und die Contrarian-Strategien (wie unsere High-Dividend) haben einigen Gegenwind. In diesem Jahr halfen der Mangel an Exposure in zyklischen Industrien und unsere Übergewichtung im Finanzsektor nicht.
BE: Es hat oft gute Gründe, warum gewisse Aktien eine hohe Dividendenrendite haben (z.B. weil sie in Zukunft einen Gewinneinbruch erleiden und daher der Kurs schon tief ist oder weil sie mangels Wachstumsmöglichkeiten die Gewinne ausschütten etc.). Daher bin ich skeptisch, ob hochrentierliche (high-yielding) Aktien generell ein gutes Investment sind. Wie kann man also eine gute Performance erzielen? Auf Basis der annualisierten Performance von 5 Jahren zeigt sich, dass der ING L Invest Euro High Dividend mit -2,33 gegenüber -2,28 (Benchmark) etwas schlechter abschneidet. Was spricht also für den Fonds?
Carl Ghielen: Unser Ziel ist es, den breiten Markt über einen vollen Marktzyklus outzuperformen. Um die Sensitivität der Strategien hinsichtlich der unterschiedlichen Marktphasen zu erkennen, muss man sich folgendes vergegenwärtigen:
Die ING High-Dividend-Strategien haben einen nachweislichen Trackrecord in verschiedenen Marktlagen. Wenn der Markt generell gut läuft, erwarten wir von unserer Strategie, dass sie eine positive absolute Performance erreicht. Sie muss nicht notwendigerweise den Markt schlagen, da das davon abhängt, ob die High-Dividend-Unternehmen besser performen als die Unternehmen, die einen größeren Teil ihrer Erträge zwecks Wachstums einbehalten. Die Strategie ist gut positioniert, um im Großen die Marktperformance zu erreichen.
Ist der Markt dagegen bearish, wie meistens in Rezessionen, erwarten wir, dass unsere Strategie zwei defensive Charakteristiken zeigt: Die erste ist die Dividende: Das Geld bietet einen Polster beim Kursverfall infolge der Marktschwäche. Dieser Polster ist ein sehr hilfreiche Sicherung, die signifikant die Wahrscheinlichkeit einer Outperformance erhöht. Daher zeigt unsere Strategie eine bessere relative Performance als der Markt.
Die zweite defensive Charakteristik ist die defensive Natur der Unternehmen in unserem Portfolio. Da dividendenzahlende Unternehmen generell als gute Cash-generierende Unternehmen in reifen Märkten angesehen werden, werden sie zur Zuflucht in stark volatilen Märkten. Unsere Strategie hat daher auch hier gute Chancen, den Markt outzuperformen. Absolut gesehen muss aber ein negativer Zuwachs erwartet werden.
In einem Seitwärtsmarkt haben defensive Unternehmen einen deutlichen Vorteil am Markt, weil die ausgeschütteten Dividenden einen beträchtlichen Teil des Aktienertrags bilden. Das macht es wahrscheinlich, dass unsere Strategie nicht nur positiv performt, sondern auch deutlich besser als der Markt. Unsere Verkaufsdisziplin auf Basis der Dividendenrendite hilft uns zudem, auf systematische Weise Gewinne zu realisieren.
Im Falle eines momentum- (oder themen-) getrieben Marktes ist es dagegen wahrscheinlicher, dass die Strategie relativ zum Markt underperformt. Dies deshalb, weil der Momentumfaktor diese Art von Unternehmen stark beeinflusst, die nicht von unserer Strategie erfasst sind. Umgekehrt kann der Momentumfaktor sogar Unternehmen negativ beeinflussen, die von unserer Strategie erfasst werden. Momentum-getriebene Strategien treten typischerweise nahe der Spitze des Wirtschaftszyklus auf. Dann leidet relativ gesehen unsere Strategie am meisten, auch wenn sie positive Erträge abwirft.
BE: Inzwischen wurde eine Menge an High-Yield-Aktienindizes geschaffen, um ETFs auf diese Indizes aufzulegen. Inwiefern unterscheidet sich nun Ihr aktiver Ansatz von solchen ETFs? Wie kann man die nötige Überperformance gegenüber dem ETF von 1% (Differenz der Management-Fees) erzielen?
Carl Ghielen: Die erhältlichen High Dividend ETFs wählen typischerweise ihre Aktien anhand eines einzigen Kriteriums, nämlich der höchsten Dividendenrendite. Das führt normalerweise zu einer starken Ausrichtung auf wenige Sektoren. Wir dagegen wählen die Aktien nicht nur aufgrund der Dividendenrendite, sondern – weit wichtiger – aufgrund der Nachhaltigkeit der Dividendenrendite. Wir konstruieren ein Portfolio, das über alle Sektoren diversifiziert ist, was eine geringere Volatilität im Vergleich zu diesen ETFs bringt.
BE: Herr Ghielen, vielen Dank für das Interview
(cr)
Aus dem Englischen übersetzt
Link zum Fonds: http://www.ingim.com/






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