Letzte Woche gab es eine Meldung des Bundesverbands deutscher Banken, dass die Geldvermögen der privaten Haushalte mit 4,93 Billionen, einem Plus von 5% gegenüber 2009, ein Rekordniveau erreicht hätten. Allerdings sind davon nur rund 5% in Aktien veranlagt. Dies ist nicht nur international gesehen gering (in Österreich ist es allerdings nicht besser), sondern auch historisch gesehen, lag doch der Aktienanteil in den 60er Jahren schon mal bei 20%. Zwei Drittel (66%) des Vermögens sind laut Bankenverband Spar-, Sicht-, Termineinlagen, Bargeld sowie Geldanlagen bei Versicherungen. 12% oder 587 Mrd. stecken in Investmentfonds, womit indirekt auch wieder ein Teil in Aktien steckt (der Hauptteil dieser Fondsinvestments sind aber Fixed Income). 9% oder 457 Milliarden ist in der Position „Sonstiges“ subsumiert, 8% oder 403 Mrd. unter „Festverzinsliche Wertpapiere“.
Börseexpress wollte es noch etwas genauer wissen und fragte daher den deutschen Bankenverband zu den Zahlen. Die Antworten gab Tanja Beller, Pressesprecherin des Bundesverbands deutscher Banken (bdb):
BE: Kann man ungefähr abschätzen, wie groß der Aktienanteil in den Positionen "Geldanlagen bei Versicherungen" und "Investmentfonds" ist?
bdb: Leider nein, es gibt hierzu von der Deutschen Bundesbank keine näheren Informationen.
BE: Wir vermuten, die Position Sonstiges umfasst vor allem Geschlossene Fonds, gibt es hier in etwa eine Abschätzung? Sind auch Zertifikate hier enthalten?
bdb: In der Position "Sonstiges" haben wir Ansprüche aus Pensionsrückstellungen, sowie sonstige Beteiligungen wie geschlossene Fonds, Anteile an GmbHs etc. enthalten. Zertifikate erfasst die Bundesbank unter "festverzinsliche Wertpapiere".
BE: Gibt es Meinungen, wie sich die Abgeltungsteuer auf Aktieninvestments ausgewirkt hat? Gibt es seither einen signifikanten Rückgang?
bdb: Hierzu haben wir leider keine konkreten Zahlen oder nähere Informationen. Der Verlust der steuerlichen Besserstellung von Dividenden (Halbeinkünfteverfahren) nach Einführung der Abgeltungssteuer könnte natürlich eine Rolle spielen.
BE: Inwieweit waren der "Neue Markt" und die Emission der Dt.Telekom als Volksaktie imageschädigend für Aktieninvestments?
bdb: Nicht einzelne Ereignisse wie die beiden genannten sind allein ursächlich, sondern vielmehr das durch die Finanzkrise verloren gegangene Vertrauen in den Finanzmarkt allgemein.
BE: Sind nicht die Banken selbst schuld an dem geringen Aktieninvestment, indem den Kunden vor allem Geschlossene Fonds, Zertifikate bzw. Investmentfonds des eigenen Hauses empfohlen werden, weil damit höhere Provisionen generiert werden?
bdb: Investments in Zertifikate (die ja beispielsweise auch auf einem Korb von Aktien basieren können oder als ETF einen Aktienindex nachbilden) oder Investmentfonds bieten wie die Einzelaktie Chance auf langfristig höhere Renditen bei höherem Risiko. Für viele Anleger macht es vor dem Hintergrund der eigenen Risikobereitschaft und einer angestrebten Risikomischung keinen Sinn, nur einzelne Aktien in ein Depot zu legen. Für diejenigen, die von den Renditechancen einer Aktienanlage profitieren möchten, ohne dabei ein gleich hohes Risiko einzugehen, sind Investmentfonds deshalb eine gute Alternative.
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