Kurz war der Schock. Die Internationale Energieagentur (IEA) überraschte die Märkte kürzlich mit der Meldung, die Ölreserven anzapfen zu wollen. Der Preis für Öl ging in die Knie. Es schien geschafft, was von westlichen Industriestaaten schon länger versucht wurde - der noch auf wackeligen Beinen stehenden Konjunktur eine wohltuende Entlastung an der Preisfront zu bescheren. Und gleichzeitig dem heranziehenden Inflationsgespenst ein Schnippchen zu schlagen.
Innerhalb von 30 Tagen stellen die IEA-Mitgliedsstaaten 60 Millionen Barrel Öl zur Verfügung. Als offizieller Grund für diese erst zum dritten mal in der Geschichte vorkommende Massnahme (1990/1991 während des Golfkriegs und 2005 wegen des Hurrikans Katrina in New Orleans) werden die Förderausfälle in Libyen genannt. Diese Aktion wird von vielen Experten aber als nicht nachhaltig gesehen. Auch, da es sich bei den Mengen im Prinzip nicht um viel mehr als den Tropfen auf dem heissen Stein handelt. Weltweit werden pro Tag etwa 85 Millionen Barrel verbraucht. Einer der Hintergründe ist somit wohl, dass die Opec gefügig gemacht werden soll. Diese erteilte am 8. Juni einer eigentlich erwarteten Fördererhöhung eine Absage, teilte aber mit, dass eine Erhöhung im dritten Quartal notwendig werde, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Ob mit dem Vorgehen des Westens Hardliner wie der Iran wirklich gütig gestimmt werden können?
Charttechnisch hat sich bei der in Europa üblichen Sorte Brent jedenfalls wenig getan. Dem Ansturm von oben stellten sich die 200-Tages-Durchschnittslinie (aktuell 102 Dollar) sowie das 61,8-Prozent-Fibonacci-Retracement (104,98 Dollar) entgegen. Und behielten bis dato die Oberhand. Von einem Trendbruch zu sprechen (siehe weisse Aufwärtstrendlinie) ist also noch weit hin.
Anleger haben in dieser Situation die Qual der Wahl:
- Long gehen, wenn anzunehmen ist, dass sich aus der aktuellen Abkühlungsphase der Weltwirtschaft kein Schnupfen ergibt und die Mittel der IEA als begrenzt angesehen werden.
-l Short gehen, wenn die IEA noch ein paar Pfeile im Köcher hat, oder sich der oben angesprochene Schnupfen zeigen sollte.
- Oder beides in einem nehmen? Entsprechende Twin-win-Zertifikate (bei denen Anleger in der Regel ab einer Barriere nach oben profitieren und bis zu einer Schwelle nach unten. Wird die Schwelle verletzt, erlischt die Twin-win-Funktion) gibt es etwa von der Societe Generale (DE000SG0HB20 - Barriere 59,83 Dollar, Schwelle 29,92 Dollar), JP Morgan (NL0006267064 - Barriere 131,57 Dollar, Schwelle 65,79 Dollar), Erste Group (AT0000A0AgN4 - Barriere 117,86 Dollar, Schwelle 71,89 Dollar - Laufzeit aber nur noch bis Ende Juli) und der HVB (DE000HV5CTB8 - Barriere 123,45 Dollar, Schwelle 74,07 Dollar).






