Die Hannover Rückversicherung AG will ihre Kapitalbasis um bis zu 26 Prozent stärken. Das erklärte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Wallin im Interview mit Bloomberg News. “Wir wollen unsere Kapitalbasis stärken, um Wachstumsmöglichkeiten sowohl in der Lebens- als auch in der Nicht-Lebensrückversicherung besser nutzen zu können”, sagte Wallin. “Massnahmen wie eine Kapitalerhöhung oder die Emission weiterer Wandelpapiere sind nicht geplant.” Die zweitgrösste deutsche Rückversicherung wolle ihr Kapital mit Hilfe von Gewinnrücklagen stärken. Das Geschäft der Rückversicherer brummt. Erstversicherer, die in der Kreditkrise Verluste von über 170 Mrd. Euro erlitten haben, sichern sich über Rückversicherung gegen potentielle hohe Zahlungsverpflichtungen ab und schonen somit ihre Kapitalbasis. Vergangene Woche berichtete die Hannover Rück für das zweite Quartal eine Verdoppelung des Gewinns und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Das Eigenkapital ohne Berücksichtigung von Minderheitsanteilen stieg in den sechs Monaten bis Ende Juni bereits um zwölf Prozent auf 3,17 Mrd. Euro.
“Mittelfristig könnten wir unser Kapital bis auf 4 Mrd. Euro steigern, ohne unsere Ziele bei der Eigenkapitalrendite zu gefährden”, sagte Wallin, der die Hannover Rück seit Anfang Juli leitet. “Sollten wir über 4 Mrd. Euro kommen, könnten wir ein Aktienrückkaufsprogramm in Erwägung ziehen.” Der Rückversicherer hat zudem seine Risiken diversifiziert. Im Juli begab das Unternehmen eine sogenannte Katastrophenanleihe, um Zahlungen für Stürme in Europa zu begrenzen. Zudem habe die Hannover Rück einige ihrer Sturmrisiken in Europa gegen Rückversicherungsrisiken in Japan getauscht, so Wallin. Auch die Katastrophenrisiken in den USA habe die Gesellschaft verringert. “Wir haben unsere Lektion aus der Rekord-Hurrikansaison 2005 gelernt”, betonte Wallin. “Ein Hurrikan wie Katrina würde nicht einmal unsere Gewinnziele für dieses Jahr in Gefahr bringen.”
Für 2009 rechnet der Rückversicherer mit einem Gewinn von rund 600 Mill. Euro oder mindestens fünf Euro je Aktie. Das wäre der zweithöchste Gewinn in der 43jährigen Geschichte der Gesellschaft, die im vergangenen Jahr ihren ersten Jahresverlust verbuchen musste. Wachstumschancen sieht Wallin in der Kredit- und Kautions- Rückversicherung. Erstversicherer leiden dort unter höheren Pleiten aufgrund der weltweiten Konjunkturflaute. “Wir bauen das Geschäft selektiv aus, da wir davon ausgehen, dass es mittel- bis langfristig recht profitabel sein wird”, erläuterte er. Die Prämieneinnahmen in dem Bereich dürften dieses Jahr um 29 Prozent auf rund 440 Mill. Euro steigen, während die gesamten Prämieneinnahmen nur um 25 Prozent zunehmen sollen. Der Bereich werde auch dieses Jahr einen geringen Gewinn erzielen, unter anderem aufgrund von Investmenterträgen, bekräftigte Wallin.
Die Hannover-Rück-Aktie notierte am Mittwoch in Frankfurt 1,2 Prozent fester. Für dieses Jahr kommt sie auf einen Kursgewinn von 27 Prozent, verglichen mit einem Plus von 0,6 Prozent im Bloomberg Europe 500 Insurance Index. (Bloomberg)









