Chinas Öl- und Eisenerzimporte haben im Juli Rekordniveau erreicht. Autohersteller, Stahlproduzenten und Baukonzerne weiten ihre Produktion aus, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Offenbar greift das 4 Billionen Yuan (407 Mrd. Euro) schwere Konjunkturpaket der Regierung. Staatlich finanzierte Projekte und der Boom bei Krediten haben für einen Anstieg der Industrieproduktion gesorgt. Auch der Immobiliensektor boomt: Die Immobilienverkäufe haben um 60 Prozent zugenommen.
Die Ölimporte kletterten 18 Prozent auf 19,6 Millionen Tonnen, teilte die Zollbehörde in Peking am Dienstag mit. Bei dem zur Stahlherstellung notwendigen Eisenerz stiegen die Einfuhren im Vergleich zum Vormonat um fünf Prozent auf 58,1 Millionen Tonnen. Für beide Rohstoffe gab das Land insgesamt 13,8 Mrd. Dollar aus. “Die Zahl stimmt sehr optimistisch und stützt den weltweiten Ölpreis”, konstatiert Gordon Kwan, Leiter regionale Energie-Analyse bei Mirae Asset Securities Ltd. Der Boom bei den Ölimporten sei durch mehrere aufeinander folgende Monate mit steigenden Auto-Zulassungszahlen im Gefolge des staatlichen Konjunkturpakets ausgelöst worden, erläuterte er.
Ein weiterer Grund für die hohen Importe dürften Bestrebungen von Grosskonzernen wie China Petrochemical Corp. und Baosteel Group Corp. sein, Vorräte an Rohstoffen anzulegen, bevor die Preise weiter steigen. “Allein mit einer Erholung der Nachfrage lässt sich der Importanstieg im vergangenen Monat nicht erklären”, kommentiert Wang Aochao, Chef-Öl-Analyst bei UOB-Kay Hian Ltd. in Schanghai. “Weil China die Preise nicht beeinflussen kann, baut es Lagervorräte auf, da es von steigenden Ölpreisen ausgeht. Die rekordhohen Importe ergänzen ausserdem die geringe inländische Produktion.”
Am Dienstag stieg der Ölpreis um 0,3 Prozent auf 70,70 Dollar je Barrel. Eisenerz kostete in der Woche bis 7. August am Tagesmarkt 104,10 Dollar je Tonne und damit 9,2 Prozent mehr als in der Vorwoche, geht aus dem Steel Index hervor. Im vergangenen Monat ist die Rohstahlproduktion in China um 13 Prozent gestiegen auf 50,7 Millionen Tonnen, wie das Nationale Statistikamt am Dienstag in Peking bekannt gab. Bloomberg-Daten zufolge ist es bereits der dritte Monat in Folge mit einer Rekordproduktion. China ist weltweit die Nummer Eins bei der Stahlherstellung.
“Die Unternehmen haben ihre Eisenerz-Lager wieder aufgefüllt, und das hat zum Anstieg bei Importen und Preisen geführt”, beschreibt Helen Wang, Analystin bei DBS Vickers Hong Kong Ltd. “Höhere Stahlpreise sind ein Anreiz für die Stahlhersteller, die Produktion hochzufahren.” Immerhin sind die Stahlpreise in China seit April um 30 Prozent geklettert. Baosteel könne die “explodierte” Nachfrage nicht mehr befriedigen, berichtete JPMorgan Chase & Co. vergangene Woche. Der erhöhte Stahlbedarf im Land macht es China schwer, bei Lieferanten wie Rio Tinto Group, Vale SA und BHP Billiton Ltd. die Preise zu drücken. Sam Walsh, Vorstandschef der Eisenerzsparte von Rio, erklärte, das Unternehmen fördere mit voller Kraft und beobachte eine starke, von China getriebene Nachfrage.
Bei der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen sich Volkswirte inzwischen optimistischer gestimmt. Goldman Sachs Group Inc. erwartet beispielsweise für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 9,4 Prozent, während die chinesische Regierung bisher von acht Prozent ausgegangen ist. Allerdings ist die Erholung noch nicht gefestigt. Laut am Dienstag veröffentlichten Daten sind Exporte und die Kreditvergabe im Juli deutlich zurückgegangen, zudem stieg die Industrieproduktion weniger als erwartet. Damit stehen die Politiker stärker unter Druck, die Konjunktur mit mehr staatlichen Ausgaben zu stützen. “Die Erholung hat ein Element der Brüchigkeit”, warnt Glenn Maguire, Chefvolkswirt Asien- Pazifik bei Société Générale in Hongkong. “Die Regierung muss die Geldpolitik entsprechend expansiv ausrichten.” (Bloomberg)






