China ist auf dem besten Weg zum Konsumweltmeister. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt steigen immer mehr Menschen in die Mittelschicht auf - sie kaufen Kühlschränke und Autos, sie buchen Reisen und surfen im Internet. Der Konsum treibt das Wachstum an. Er ist massgeblich dafür verantwortlich, dass das Reich der Mitte die USA bald als grösste Wirtschaftsmacht überholen könnte. In einer sechsteiligen Serie befasst sich die Fondsgesellschaft Fidelity International mit der Konsumgesellschaft China und zeigt das enorme Potenzial der Unternehmen im Land auf.
Teil 2: die neue Mittelschicht
Viele Menschen in China können sich immer mehr leisten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das durchschnittlich verfügbare Jahreseinkommen mehr als verdoppelt. Es wird erwartet, dass der Durchschnittslohn noch weiter steigt – voraussichtlich um 8 bis 10 Prozent pro Jahr. Für die Gesellschaft in China bringt das langfristig deutliche Veränderungen: In den nächsten zehn Jahren wird sich die Mittelschicht mehr als verdoppeln. Damit werden 69 Millionen Haushalte anders und mehr konsumieren als jetzt. Die Oberschicht wird sich sogar mehr als vervierfachen – auf 53 Millionen Haushalte. „Chinas kontinuierlich hohes Wirtschaftswachstum hat die Kaufkraft der Bevölkerung entscheidend gestärkt. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen“, sagt Raymond Ma, Fondsmanager des Fidelity China Consumer Fund.
Die neue chinesische Mittelschicht hat zum ersten Mal die Möglichkeit, Dinge zu kaufen, die über den Grundbedarf hinausgehen. Auch die zunehmende Verstädterung führt dazu, dass der Absatz – beispielsweise von Haushaltsgeräten – angekurbelt wird. Das beflügelt das Wachstum der Unternehmen, die im Konsumsektor tätig sind. GOME Electrical Appliances etwa ist Chinas größter Elektro- und Elektronikeinzelhändler. Bereits heute hat das Unternehmen mehr als 800 Läden in über 200 Städten. „Mit zunehmendem Wohlstand ändert sich auch das Konsumverhalten: Die Menschen konsumieren über ihren Grundbedarf hinaus. Sie kaufen höherwertige Waren und Dienstleistungen“, erklärt Ma.
Beim Konsum orientieren sich die Chinesen an westlichen Gewohnheiten und holen hier immer mehr auf. Zum Beispiel kauft sich im Durchschnitt jeder chinesische Verbraucher, der auf dem Land lebt, pro Jahr 1,2 Paar Schuhe, Städter kaufen sich jährlich im Schnitt immerhin schon 2,7 Paar Schuhe – in Österreich sind es 6 Paar. Im Automobilmarkt ist es ähnlich: In China ist es nach wie vor eine Besonderheit, ein Auto zu besitzen, auch wenn das Reich der Mitte bereits jetzt der größte Markt der Welt ist. Denn nur etwa 6 Prozent der Bevölkerung haben ein Auto. In Europa und den USA haben dagegen 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung ein eigenes Auto. Im Vergleich zu anderen großen Schwellenländern wie Indien, Brasilien und Russland liegt die Zahl der PKW-Neuzulassungen in China aber um ein Vielfaches höher.






