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"Einige europäische Randstaaten werden wohl kaum an einer Umschuldung vorbei kommen"   Facebook be



08.06.2011
 

Der Euro wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich zu einer globalen Reservewährung aufsteigen und neue Mitgliedsstaaten gewinnen, so die Einschätzung der Legg Mason-Tochter Western Asset Management.

Michael Story, Volkswirt bei Western Asset, ist der Ansicht, dass einige europäische Randstaaten wohl kaum an einer Umschuldung vorbei kommen werden. Allerdings werde dies wohl auf absehbare Zeit nicht zum Zusammenbruch des Euro führen. Vielmehr sollte der Euro kurz- bis mittelfristig seine Position als Weltwährung stärken, wenn immer mehr Staaten der früheren Sowjetunion Interesse an einem Euro-Beitritt bekunden.

„Auch wenn der Euro immer wieder unter starken Abwertungsdruck gerät, wird er höchstwahrscheinlich nicht zusammenbrechen und könnte sich sogar zur globalen Reservewährung entwickeln", sagt Story. „Zwar können wir nicht erkennen, wie die Randstaaten ihr Dilemma ohne eine Umschuldung lösen wollen. Doch wir sehen einen solchen Schritt als Teil ihrer Anstrengungen, Mitglieder der Europäischen Währungsunion zu bleiben. Wir wären auch nicht überrascht, wenn immer mehr Staaten dem Euro beitreten und die Eurozone entsprechend wachsen würde."

So weist Story darauf hin, dass Estland bereits dieses Jahr dem Euroraum beigetreten ist und Lettland, Litauen und Polen den Beitritt für das Jahr 2015 planen. „Für die kleineren Volkswirtschaften am Rande Europas ist der Euro das Ende einer langen Reise von einer anachronistischen Planwirtschaft zu einer modernen marktwirtschaftlichen Demokratie", erläutert er.

Story kann sich nicht vorstellen, wie derzeitige Euro-Mitgliedsstaaten trotz der Probleme, mit denen die Währungsunion zu kämpfen hat, aus der Einheitswährung austreten könnten. Beispielsweise würde die Einführung einer hypothetischen „neuen Drachme" in Griechenland nach Einschätzung von Story eine Abfolge von Ereignissen auslösen - angefangen von einer Währungsabwertung bis hin zur Flucht von Kontoinhabern in sichere Häfen wie etwa deutsche Banken. Dies würde Griechenland irgendwann zu drastischen Gegenmaßnahmen zwingen.

„Letztlich könnte Griechenland nur das Abheben von Einlagen beschränken, seine Grenzen schließen, absolute Kapitalkontrollen einführen und den Anleihenmarkt bis auf weiteres schließen. All diese Maßnahmen wären voraussichtlich genauso unpopulär und sehr viel schädlicher für die griechische Wirtschaft als der Verbleib im Euroraum", erläutert Story.

Nach Meinung von Story sind nicht nur die Randstaaten unwillig sich vom Euro zu verabschieden, auch die Kernstaaten stehen der Idee ähnlich begeisterungslos gegenüber. „Für Deutschland wird die Rolle als Retter in letzter Instanz zwar vermutlich immer ungemütlicher, und eine hypothetische „neue Mark" würde keinen Sturm auf die Banken auslösen", so Story. „Aber der deutsche Exportsektor hat enorm vom Euro profitiert, und die Einheitswährung ist einer der Gründe, warum die deutsche Wirtschaft so reich an Ersparnissen ist. Deutschland war der größte Nutznießer des Euro, und gegen einen Ausstieg sprechen viele gute Gründe."

Das gilt nach Einschätzung von Story letztendlich für den gesamten Euroraum, denn die Einheitswährung war ein wichtiger Motor für größere Barrierefreiheit im Handel, eine stärkere Integration der Finanzmärkte, Arbeitsmarktreformen und eine dramatische Angleichung der Inflationsraten. „Die Inflations- und Konjunkturzyklen der einzelnen Mitgliedsstaaten sind selbst nach der globalen Finanzkrise immer noch einheitlicher als vor der Gründung der Währungsunion", sagt er.

Gleichzeitig aber sieht Story auf politischer und geldpolitischer Ebene künftig große Herausforderungen, auch wenn die Regierenden in Europa bereits „in beeindruckend kurzer Zeit" umfangreiche Reformen umsetzen. „Die Wähler werden letztlich stärker auf ihre staatliche Eigenständigkeit verzichten müssen, als den meisten lieb ist", erläutert er. „Politische Fehlentscheidungen sind möglich, und vielleicht sogar wahrscheinlich. Eventuell ist die Zinsanhebung durch die EZB bereits der erste dieser Fehler. Betrachtet man die Konjunkturdaten losgelöst vom übrigen Umfeld, mag der Zinsanstieg richtig erscheinen. Aber er untergräbt die schon geschwächte politische Legitimation des Euroraums, von der das Überleben des Euro letztendlich abhängt. Auch der Goldstandard ist an politischer Legitimation gescheitert."


 
 

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