Mehr als ein Jahr nach der Absegnung eines 750 Millionen Euro schweren Rettungspakets zur Bekämpfung der europäischen Staatsschuldenkrise hat diese in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Anleihen der Euro-Länder in der Peripherie rentieren auf Hochs, und im Fall von Griechenland wird bereits öffentlich über eine Verlängerung der Laufzeiten der Staatsanleihen diskutiert.
Vor und nach dem Wochenende sorgten darüber hinaus Ratingagenturen mit negativen Kommentaren für Unruhe. Am Freitag hatte Fitch Ratings zunächst die Bonitätsnote für Griechenland um drei Stufen reduziert und erklärt, dass für sie die erwogene Verlängerung der Rückzahlungsfristen mit einem Zahlungsausfall gleichzusetzen wäre. Nur wenige Stunden später warnte Standard & Poor’s, dass das Rating von Italien unter Umständen ebenfalls gesenkt werde. Die Aussichten für eine Reduzierung der Verschuldung seien gesunken. Die Bereitschaft Italiens, Reformen durchzusetzen, scheine ins Wanken geraten zu sein. Und am Wochenende mussten dann in Spanien die Sozialisten von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero bei den Regionalwahlen eine herbe Niederlage einstecken. Die Macht- Verlagerung in einigen Landesteilen schürt unter Beobachtern die Sorge, dass die Wahlsieger schwächere Finanzen verkünden werden, als es ihre Vorgänger getan haben.
Luca Cazzulani, Anleihe-Stratege bei UniCredit Research, warnte, dass der Druck auf die Peripherie-Bonds nicht nachlassen werde, “weil die Diskussion um Griechenland kein Ende findet. Der negative Ausblick für Italien wird die Risiko-Aversion nur noch verstärken. Und das Ergebnis der spanischen Regionalwahlen dürfte Spekulationen antreiben, dass die nun neu Gewählten ’versteckte Schulden’ aufdecken.” Ähnlich warnende Worte kamen von Axel Merk, Chefvolkswirt von Merk Investments. “Der Anleihenmarkt ist die einzige Stimme, auf die die Entscheidungsträger hören werden”, erklärte er. “Wenn der Bondmarkt mit einem Land streng ins Gericht geht, wird das der Moment sein, dass sie die Dinge in die Hand nehmen.”
Die Renditen zehnjähriger griechischer Anleihen waren am Montagnachmittag um 49 Basispunkte auf 17 Prozent nach oben geschnellt - das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro. Im Fall von Spanien ging es bei den zehnjährigen Papieren um 5 Basispunkte auf 5,53 Prozent nach oben, während das Plus bei Italien 4 Basispunkte auf nun 4,81 Prozent und bei Irland 29 Basispunkte auf nun 10,83 Prozent betrug. Laut dem bekannten Volkswirt Nouriel Roubini kämpft allein Griechenland derzeit mit einem “Refinanzierungs-Loch” von rund 30 Mrd. Euro, jeweils für 2012 und 2013. Kollege David Mackie von JPMorgan Chase & Co. in London kam am Montag zu dem Schluss: “Mit einer Wirtschaft, die weiter in der Rezession steckt, ist es sehr schwierig, immer noch mehr Geld einsparen zu wollen. Wir bewegen uns stattdessen auf ein Umfeld zu, in dem Griechenland seine Verantwortung in erster Linie mit dem Verkauf von Staatseigentum signalisieren wird.” Die Europäische Union dürfte von Griechenland den Verkauf von Staatseigentum im Umfang von 15 Mrd. Euro verlangen - und zwar bereits bis Ende 2012 und damit ein Jahr früher als bislang geplant. Dieser Schritt sei die Voraussetzung für ein neues Kreditpaket für das Land. Nach Angaben aus Athen hat die Regierung zu Wochenbeginn bereits den Verkauf von Beteiligungen an Hellenic Postbank und den Häfen des Landes diskutiert.
Die 34 Prozent an der Bank haben einen Marktwert von 275 Mill. Euro. Die griechische Regierung hatte am Mittwoch vergangener Woche eine Reihe von Banken benannt, die das hoch verschuldete Land beim Verkauf von Staatseigentum und bei Immobilienprojekten beraten werden. Dahinter steht das Ziel, letztlich rund 50 Mrd. Euro einzusammeln. Das Geld soll dazu genutzt werden, Schulden abzubezahlen. Zu den ausgewählten Banken zählten neben neun griechischen Branchenvertretern - darunter National Bank of Greece SA - auch die Deutsche Bank AG aus Frankfurt und die Credit Suisse Group AG aus der Schweiz. Am Montagabend nach Börsenschluss in Europa korrigierte Fitch die Bonitätsnoten von fünf griechischen Banken nach unten und stellte weitere Senkungen in Aussicht. Betroffen waren National Bank of Greece SA, EFG Eurobank Ergasias, Alpha Bank AE, Piraeus Bank SA und Agricultural Bank of Greece. Ebenfalls am Montagabend senkte Fitch den Ausblick für die Bonitätsnote von Belgien von “stabil” auf “negativ”. Durch die verfahrene politische Lage des Landes sei es schwer möglich, den dritthöchsten Schuldenberg in der Eurozone zu reduzieren. Die Einschätzung der Kreditwürdigkeit beliess Fitch vorerst bei “AA+" - das ist die zweithöchste Stufe in der Kategorie Investment-Grade. Belgien verfügt seit den Wahlen im Juni vergangenen Jahres über keine voll entscheidungsfähige Regierung.
(Bloomberg)






