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Zivilverfahren?

SEC will offenbar gegen Ex-AIG-Chef Hank Greenberg klagen   Facebook be



06.08.2009
 

Der jahrzehntelange Chef des amerikanischen Versicherers American International Group Inc. (AIG), Maurice “Hank” Greenberg, steht offenbar erneut in der Schusslinie der amerikanischen Börsenaufsicht. Nach mehr als vier Jahren intensiver Ermittlungen könnte bereits am Donnerstag ein Zivilverfahren gegen Greenberg angestrengt werden, verlautete von informierten Personen.

Greenberg leitete die Gesellschaft, die 2008 im Zuge der Finanzkrise verstaatlicht wurde, 38 Jahre lang und baute AIG zum weltgrößten Versicherungskonzern aus. 2005 entließ ihn der Aufsichtsrat angesichts von Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft im Rückversicherungsgeschäft. Greenberg wurde Bilanzfälschung vorgeworfen.

AIG korrigierte die Gewinne in zurückliegenden Bilanzen um insgesamt 3,4 Mrd. Dollar (2,4 Mrd. Euro). 2006 zahlte das Unternehmen mehr als 1,6 Mrd. Dollar für einen Vergleich mit dem Staat und der US-Börsenaufsicht SEC. Sie hatten den Assekuranzriesen bezichtigt, Investoren getäuscht zu haben.

Greenberg nannte den Großteil der Bilanzkorrekturen unnötig und bestritt, sich falsch verhalten zu haben. Zwei Monate nachdem er bei AIG ausgeschieden war, erhob die New Yorker Staatsanwaltschaft unter Eliot Spitzer Klage gegen Greenberg. Greenberg habe daraufhingewirkt, dass Verluste des Konzerns verschleiert und Reserven zu hoch angegeben wurden. Greenberg selbst wurde bislang nie wegen des Vorwurfs einer Straftat angeklagt und bestreitet jedes Fehlverhalten. Spitzer ließ Teile der Anklage fallen. 2007 übernahm sein Nachfolger Andrew Cuomo den Fall.

Die Börsenaufsicht SEC warf AIG vor, durch krumme Geschäfte mit dem Rückversicherer General Re die Kapitalreserven um 500 Mill. Dollar künstlich aufgebläht haben. In einem Strafprozess gegen frühere General-Re-Manager sagten Angeklagte in Geständnissen aus, Greenberg habe dazu eine Transaktion mit dem früheren General-Re-Chef Ronald Ferguson eingefädelt. Ziel sei es gewesen, Bedenken von Analysten zu den Kapitalreserven von AIG zu zerstreuen. Die Staatsanwaltschaft nannte Greenberg einen nicht angeklagten Verschwörer.

Mit AIG streitet sich Greenberg seit seinem Ausscheiden vor Gericht. Im Juli widersprach eine Jury der Behauptung von AIG, Greenbergs Investmentfirma Starr International Co. habe sich illegal Aktien im Wert von 4,3 Mrd. Dollar aus dem Konzernbesitz verschafft. AIG hatte argumentiert, dass die Aktien zu späteren Vergütung von AIG-Beschäftigten dienen sollten. Greenbergs Anwälte argumentierten, es gebe keine entsprechende Vereinbarung.

Der Weltkriegsveteran Greenberg kam 1960 zu AIG. 1962 betraute ihn AIG-Gründer Cornelius Starr mit der Aufgabe, die vom Konzern übernommene American Home Assurance Co. zu leiten. Fünf Jahre später wurde er Vorstandschef von AIG.

Er baute das Schaden- und Haftpflichtgeschäft des Unternehmens mit Akquisitionen aus und expandierte in Geschäftsbereiche außerhalb der Assekuranz. So übernahm AIG 1990 die Flugzeugleasing-Gesellschaft International Lease Finance Corp.

Als Greenberg 2005 AIG verließ, hatte der Konzern Übernahmen im Volumen von 50 Mrd. Dollar in 130 Ländern unter Dach und Fach gebracht. Die Bilanzsumme des Konzerns hat sich unter seiner Leitung mehr als vertausendfacht.

Seine Nachfolger macht Greenberg für die Milliardenverluste verantwortlich, die den Konzern vergangenes Jahr an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben. Nach seinem Weggang habe AIG den Verkauf von Anleiheversicherungen, so genannten Kreditausfalls- Swaps, verstärkt. Diese Papiere bescherten dem Konzern im Zuge der Kreditkrise so große Einbußen, dass der Staat AIG im September mit einer Finanzspitze über 85 Mrd. Dollar aushelfen musste, um eine Pleite abzuwenden.

Greenbergs-Nachfolger an der Spitze von AIG, Martin Sullivan, wurde nach drei Jahren aus dem Amt gedrängt. Er hatte Einbußen in Verbindung mit Eigenheimkrediten als “verkraftbar” bezeichnet. Nach Sullivan übernahm Robert Willumstad das Amt des Vorstandschefs. Im Zuge der Verstaatlichung des Versicherungskonzerns wurde er aber schon nach drei Monaten durch Edward Liddy ersetzt. Diesen löste kürzlich Robert Benmosche ab.

US-Finanzminister Timothy Geithner bezeichnete AIG im März als Versicherungskonzern mit angeschlossenem Hedgefonds, der sich “ohne Aufsicht durch Erwachsene” entwickeln durfte. US- Notenbankchef Ben S. Bernanke nannte die Staatshilfe für AIG als die “ärgerlichste” Rettungsaktion im Rahmen der Finanzkrise. Der Konzern habe eine enorme Lücke im Aufsichtsrecht schamlos ausgenutzt.

( Bloomberg )


 
 

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