Die Verschuldung in den Ländern der Europäischen Währungsunion hat 2010 ein Rekordniveau erreicht. Damit wird es für die finanziell besser dastehenden Länder schwerer, die Kosten der durch Griechenland vor einem Jahr ausgelösten Finanzkrise zu schultern. Die Verschuldung ist in allen 16 Ländern der Euro-Region gestiegen und erreichte 85,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, im Vergleich zu 79,3 Prozent im Vorjahr.
Das aggregierte Schuldenniveau bewegt sich damit näher auf die Marke von 90 Prozent vom BIP zu, die nach Ansicht der Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart die langfristigen Wachstumsperspektiven beeinträchtigen kann.
Eventuelle Zahlungsverpflichtungen aus den Garantien für das Bankensystem nach der Finanzpanik von 2008 belaufen sich nun auf 6,5 Prozent vom BIP gegenüber 8,6 Prozent im Jahr 2009, teilte Eurostat weiter mit. Die Staatsverschuldung von Griechenland kletterte auf 142,8 Prozent vom BIP und erreichte damit den höchsten Verschuldungsgrad in der 12-jährigen Geschichte der Euro-Ära. Am stärksten erhöhte sich die Verschuldung Irlands: Sie stieg um 30,6 Prozentpunkte auf 96,2 Prozent vom BIP.
Unter dem Druck Deutschlands senkte die Eurozone ihr aggregiertes Haushaltsdefizit 2010 auf 6,0 Prozent vom BIP nach 6,3 Prozent im Jahr davor. Griechenland hat sein Defizit zwar von 15,4 Prozent 2009 auf 10,5 Prozent im Jahr 2010 verringert, liegt damit aber über den 9,4 Prozent, die die griechische Regierung im Februar angab.
Deutschland gehört nicht zu den zwölf Ländern, die ihr Haushaltsdefizit reduzieren konnten. Das deutsche Defizit weitete sich von 3,0 Prozent auf 3,3 Prozent aus. Die Obergrenze für Mitglieder der Währungsunion liegt bei 3,0 Prozent. Der Internationale Währungsfonds IWF hatte in einem Bericht vom 12. April darauf hingewiesen, dass die hochentwickelten Volkswirtschaften “weitere substanzielle Anpassungen” vornehmen müssten, um finanziell wieder zu gesunden. Estland, das im Januar der Währungsunion beigetreten ist, konnte 2010 sowohl sein Haushaltsdefizit als auch seine Gesamtverschuldung abbauen.
(Bloomberg)






