Alle Sommer wieder: Schon im Juni 2008 war die „Schnäppchenjagd“ bei Zertifikaten, also der Kauf im Sekundärmarkt zu Kursen möglichst weit unter dem Erstausgabepreis, Thema einer BE-Serie. Damals fanden sich im dichten Dschungel der laufenden Emissionen einige aus damaliger Sicht durchaus attraktive Kaufgelegenheiten. Trotz aller Kritik an Zero Bond-Konstruktionen mit ihren oft billigen Optionskomponenten konnte man sogar mit gebrauchten Garantiezertifikaten in den vergangenen 12 Monaten zweistellige Renditen erzielen. Für den Privatanleger in vielen Fällen auch noch steuerfrei. Einige wesentliche Gründe waren für die tiefen Einstiegsniveaus verantwortlich. Bis vor etwa einem Jahr befand sich das allgemeine Zinsumfeld im Aufwärtstrend. Die laufenden Zero Bonds zur Sicherstellung der Kapitalgarantie verloren daher an Kurswert. Insbesondere am Beginn der Laufzeit ist deren Einfluss auf den Zertifikatekurs zudem überproportional hoch, die fallweise langen Restlaufzeiten verstärkten diesen Trend.
„Geschundene Basiswerte - in vielen Fällen Aktienkörbe mit Worst Of-Funktion - und verletzte Barrieren machten die Optionen darauf zwischenzeitlich nahezu wertlos“, sagt Andreas Dolezal, Die Manufaktur. Die Zahlung von weit über dem Marktniveau liegenden Fixkupons in den Anfangsjahren drückte die Kurse noch weiter unter den Emissionspreis.
Im Herbst des vergangenen Jahres keimte dann im Zuge der Lehman-Pleite eine massive Vertrauenskrise auf. Welcher Emittent und Garantiegeber konnte noch als sicher gelten? Es folgte das Downgrading vieler renommierter Emittenten, die Kurse von Garantiezertifikaten fielen teils auf dramatische Tiefststände.
Zinsen runter, Spass ade
Für Mutige begann damit die Zeit der Schnäppchenkäufe, die sich bis ins erste Quartal 2009 zog. Das Frachtraten Garantie Zertifikat II von Morgan Stanley notierte zeitweise bei nur mehr 70 Euro je Anteil. Mit einer Restlaufzeit von drei Jahren und garantierter Tilgung bei 100 Euro je Anteil errechnete sich ein Gewinn auf das eingesetzte Kapital von gut 40 Prozent. Garantiert und steuerfrei. Die vorherrschende Unsicherheit bezüglich US-amerikanischer Garantiegeber durfte man dabei allerdings nicht ausser Acht lassen. Zugegeben, das mag ein Extrembeispiel sein. Aber die Liste liesse sich beliebig lange fortsetzen mit Garantiezertifikaten der verschiedensten internationalen Emittenten. Hohe einstellige jährliche Renditen auf Restlaufzeit - nicht zuletzt auch als Ausgleich für „wackelige“ Bonitäten - waren keine Seltenheit, wenn man die aufwendige Suche nicht scheute und auch Stücke auftreiben konnte.
Aber diese Zeiten sind wohl vorbei. Mittlerweile ist das allgemeine Zinsumfeld derart tief gefallen, dass auch die Zero Bonds der Jahre 2004 bis 2006 deutlich an Wert zugelegt haben. Viele Optionen beziehungsweise die zu Grunde liegenden Basiswerte haben kräftig zugelegt und der Markt hat wieder mehr Vertrauen in die Bonität der Banken gefunden. Attraktive Kaufgelegenheiten sind selten geworden.
Ein Blick in die Vergangenheit fördert wie man sieht oft interessante Details zu Tage. Daher haben wir uns entschlossen, die im BE vorgestellten „Zertifikate des Monats“ aus der Zeit von April 2006 bis Juli 2007 zurück ins Scheinwerferlicht zu holen. Was ist aus den damals als innovativ geltenden Basiswerten geworden? Wie glücklich war die eine oder andere Funktionsweise? Spannend jedenfalls, das kann ich jetzt schon versprechen.
(BE / Die Manufaktur / A. Dolezal)






