Ilse A. Vigl, Vorstandsdirektorin der WSK-Bank, zu Geldanlagethemen, die den Österreichern unter den Fingernägeln brennen.
Börse Express: Sie haben begonnen, einen Finanzblog zu schreiben. „Ich möchte mit diesem Blog auch motivieren, sich aktiv mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen“, schreiben Sie. Themen sind bsp. richtige Haushaltsplanung, sinnvolle Umschuldungen, Bürgschaften oder aktives Finanzmanagement. Vielleicht können wir ein paar Punkte durchgehen, die den Österreichern unter den Fingernägeln brennen. Ein derzeit oft zur Sprache gebrachtes Thema ist die Angst vor Hyperinflation, die Angst vor der Geldentwertung.
Ilse A. Vigl: Das sehe ich ad hoc nicht so, auch wenn die EZB viel Geld in die Märkte gepumpt hat. Das wirkt sich nur langfristig aus. Nach den Regeln der wirtschaftlichen Vernunft ist Hyperinflation mittelfristig, das heisst in den nächsten zwei bis drei Jahren, keine Gefahr. Kurzfristig sinkt die Inflation wahrscheinlich sogar, das kann sogar an die Grenze zur Deflation gehen.
Börse Express: Aktien sind riskant, Sparbücher werfen kaum noch brauchbare Zinssätze ab. Der Österreicher ist verunsichert. Auf welche Investments sollte der Österreicher in dieser Situation setzen?
Ilse A. Vigl: Also auf Wertpapiere weniger. Von spekulativen Instrumenten raten wir derzeit ab. Das althergebrachte Sparbuch ist immer noch das Zugpferd im Geldanlagebereich. Der Grossteil des Geldes wird nach wie vor in Sparbücher und Gold angelegt. Interessant ist der Veranlagungshorizont: Kunden wollen über zwei Jahre meist nicht mehr hinaus gehen. Warum? Weil sie nicht abschätzen können, wie sich die wirtschaftliche Situation entwickeln wird.
BE: Die EZB hat den Leitzinssatz auf 1 Prozent gesenkt, Ihre Meinung zur gestrigen EZB-Zinsentscheidung?
Ilse A. Vigl: Es ist die einzige Chance, derzeit Investionen anzukurbeln, ebenso wie das Konsumverhalten. Die Währungshüter in Brüssel wollen wieder Zuversicht in den Markt bringen. Das künftige Leitzinsniveau wird sich in Grenzen halten. Wir rechnen für den Herbst mit einer weiteren Senkung um 25 Basispunkte. Aber dann wird es nicht mehr hinunter gehen, es kann nur mehr nach oben gehen.
BE: Gehen wir auf ein paar gängige Themen ein. Viele Menschen und Unternehmen bekommen von der Hausbank keinen Kredit mehr. Gibt es in diesem Fall doch noch Möglichkeiten, an einen Kredit zu kommen?
Ilse A. Vigl: Sehr viele Kunden kommen zu uns und sagen, sie bekommen keinen Kredit. Oft ist es nicht die mangelnde Bonität der Kunden. Vielmehr hat sich die Geschäftspolitik der Banken verändert. Daher ist wichtig: Sich am Markt umsehen, bei Banken nachfragen, Konditionen einholen. Wir sind beispielsweise auf Konsumfinanzierungen spezialiert. Wir haben die Geschäftsrichtlinien nicht verändert, sind sehr liquide.
BE: Nächstes Thema: Die Arbeitslosenzahlen haben in den letzten Monaten eklatant zugenommen. Können Sie potenziell Gefährdeten eine Empfehlung geben, wie sie sich präventiv finanziell gegen eine etwaige Arbeitslosigkeit absichern können?
Ilse A. Vigl: Es gibt Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit. Allgemeiner Tipp von mir: Man muss auch etwaige Vorzeichen beobachten. Wenn man merkt, dem Unternehmen geht es nicht gut - und dafür entwickelt man ein Gespür -, dann sollte man die Ausgaben reduzieren, vor allem die variablen Kosten. Was kann ich mir leisten, was nicht. Man muss die Fixkosten kategorisien. Ehrliche Haushaltspläne machen. Da gehören auch Ausgaben für Zigaretten hinein. Am wichtigsten: Ich muss verdienen, was ich mir leisten möchte.
BE: Sehr interessant habe ich in einem Ihrer Blogs folgenden Part gefunden: „Die häufigste Falle bei finanziellen Verstrickungen in Familien und Ehen ist die Bürgschaft“. Wie kommt das?
Ilse A. Vigl: Insbesondere Frauen, die für ihren Partner Bürgschaften übernommen haben, melden sich diesbezüglich bei uns. Die Scheidung kam, der Mann ging, die Verbindlichkeiten blieben. Ich möchte den Frauen anraten: Vorsicht! Bürgschaften für den Partner haben schon viele Frauen ins finanzielle Unglück gestürzt. Die Einstellung, es handle sich ja „nur um eine Unterschrift“ ist falsch. Viele Frauen - aber auch Söhne, Väter, Onkels, etc. - sind sich der rechtlichen und finanziellen Konsequenzen von Bürgschaften oft nicht bewusst.
Interview: Daniel Hoffmann






