Südafrikas Goldproduzenten kämpfen mit der Aufwertung ihrer Landeswährung und steigenden Kosten. Denn während der Goldpreis auf Dollarbasis im laufenden Jahr zum neunten Mal zulegt, ist der Preis des gelben Edelmetalls im Zeitraum von April bis Juni in südafrikanischen Rand um 14 Prozent gefallen - der grösste Rückgang in Landeswährung seit 1986.
Wenn AngloGold Ashanti Ltd. am Freitag die Berichtssaison der Goldproduzenten am Kap eröffnet, sind Analysten deshalb vorsichtig gestimmt. Angesichts steigender Lohn- und Energiekosten in Südafrika erwarten sie Gewinneinbussen im zweiten Quartal von bis zu 50 Prozent.
“Die Rand-Aufwertung dürfte sie hart treffen. Grössere Kostenblöcke wie Strom und Löhne gewähren keine Atempause, denn sie sind gestiegen”, sagt Paul Theron, Leiter Fondsmanagement beim Vermögensverwalter Vestact in Johannesburg. “Es dürfte ein Test werden. Es wird sich wahrscheinlich zeigen, welche Unternehmen kosteneffizient arbeiten”, so das Fazit von Percy Takunda, Analyst beim Finanzdienstleister Imara SP Reid in Johannesburg.
Neben Anglo Ashanti zählen Gold Fields Ltd. und Harmony Gold Mining Co. zum Trio der grössten Goldproduzenten in Afrika. Alle drei Unternehmen sind betroffen von der Rand-Rally. Angesichts der Erholung der Rohstoffnotierungen und dem wieder erwachten Risikoappetit der Investoren nach Schwellenländer- Investments hat der Rand im zweiten Quartal gegenüber dem Dollar um 23 Prozent zugelegt - es war die beste Performance zum Greenback unter den weltweit von Bloomberg erfassten 176 Währungen. Bei den drei Konzernen fällt ein Grossteil der Kosten in Rand an, während die Goldverkäufe in Dollar abgerechnet werden. Südafrika ist nach China und den USA weltweit der drittgrösste Goldproduzent.
Ein Ende der steigenden Produktionskosten am Kap ist nicht abzusehen: Nach Abschluss der Verhandlungen mit den grössten Gewerkschaften des Landes werden die Löhne zwischen neun und 10,5 Prozent steigen - mehr als die jährliche Inflationsrate, die im Juni bei 6,9 Prozent lag. Eskom Holdings Ltd., Südafrikas grösster Stromversorger, hat die Preise 2009 bereits um 31 Prozent angehoben.
Die Kostensituation dürfte auch infolge der immer wiederkehrenden Produktionsunterbrechungen angespannt bleiben. Allein Anglo Ashanti Ltd. war im zweiten Quartal fünf Mal genötigt, nach Unfällen die Arbeit in den Minen zu unterbrechen. Nach einer Reihe tödlicher Zwischenfälle 2007 sind Südafrikas Bergbaukonzerne angesichts gestiegener Sicherheitsbedenken veranlasst, häufiger die Arbeit in den Bergwerken ruhen zu lassen.
Die Ratingagentur Fitch hat die kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten von AngloGold im Juli herabgestuft aus Sorge, dass die laufenden Kosten “die langfristige Ertragskraft des Unternehmens schwächen”. Analysten rechnen bei AngloGold mit einem Gewinnrückgang auf 3,52 Rand je Aktie (Einmalkosten ausgeklammert) - nach 4,14 Rand im Vorquartal. Beim Wettbewerber Gold Fields, der am 6. August die Zahlen vorlegt, erwarten sie ein Gewinnminus von 25 Prozent auf 1,52 Rand je Aktie. Für Harmony Gold, die am 17. August berichten, rechnen von Bloomberg befragte Analysten mit einem halbierten Gewinn von 0,59 Rand je Aktie.
Der Goldpreis notierte am Donnerstag in London bei 931,10 Dollar je Unze. Seit Jahresbeginn ist das ein Plus von 5,9 Prozent. (Bloomberg)






