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Warnung

"Bonds werden getötet"   Facebook be



09.03.2011
 

An den Bondmärkten drohe schon im kommenden Jahr ein Ausverkauf “in der Art von 1994”, warnt der Chef-Ökonom von JPMorgan Chase & Co., Bruce Kasman. Zur Begründung verweist er darauf, dass die Zentralbanken in den Schwellenländern die Leitzinsen zu einem Zeitpunkt erhöhen müssten, zu dem auch die Federal Reserve in den USA mit Zinserhöhungen beginnen werde. Kasman geht davon aus, dass selbst nach den jüngsten Zinserhöhungen in den Entwicklungsländern die Leitzinsen dort rund 200 Basispunkte unter dem Durchschnittswert von 2008 verharren und inflationsbereinigt zum Jahresende nahe der Tiefstwerte zu Zeiten der Rezession liegen werden.

Zugleich werden jedoch die zugrundeliegenden Inflationsniveaus ansteigen. Kasman war früher bei der Federal Reserve Bank von New York tätig. Kasman kommt zu dem Schluss, dass wegen der Unwilligkeit der Zentralbanken der Schwellenländer, die Zinsen schneller zu erhöhen, in diesen Ländern die Inflation möglicherweise nicht eingedämmt werden könne, während sie in den anderen Ländern angeheizt werde. Am Ende müssten die Zentralbanken der Schwellenländer und die Fed gleichzeitig die Geldpolitik straffen. Die Sorge sei nun, dass die gleichzeitigen Massnahmen an den Finanzmärkten zu einer Wiederholung der Situation des Jahres 1994 führen könnten. Damals zweifelten die Investoren zunächst am Eifer der Fed, die Inflation bekämpfen zu wollen. Schliesslich verzeichneten die Treasuries Kursverluste von mehr als drei Prozent als die Währungshüter den Leitzins fast verdoppelten. Die Kapitalverluste summierten sich weltweit auf rund 1,5 Billionen Dollar in dem Jahr. “Es ist ein Rezept für eine störende Dynamik in den Märkten, wenn Anpassungen bei der Zinspolitik in synchronisierter Weise zum Laufen gebracht werden”, sagt Kasman. Er sieht den Zeitrahmen für eine solche Entwicklung bei 12 bis 36 Monaten. “Bonds werden getötet”, warnt Kasman. Jim O’Neill, Vorsitzender von Goldman Sachs Asset Management in London, bezweifelt zwar, dass die Entwicklungsländer die Kontrolle über die Inflation verlieren. Jedoch könne die Rendite der 10-jährigen Treasuries “schnell” die Marke von fünf Prozent erreichen, wenn das globale Wirtschaftswachstum rascher anziehe als erwartet und die Fed gezwungen werde, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Aktuell liegt die Rendite der US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 3,5 Prozent. Nach der Konsensus-Prognose von 53 Ökonomen in einer Umfrage von Bloomberg News wird sie bis zum zweiten Quartal 2012 im Mittel auf 4,25 Prozent steigen. “Das Schlimmste wäre ein grosser Ausverkauf bei den Bonds wie 1994”, sagt O’Neill. “Der ideale Verlauf wäre, wenn die Industrieländer sich erholen, während die Konjunktur in den Schwellenländern abkühlt. Aber was passieren kann ist, dass ein Anziehen der Wirtschaft in den USA und anderen reifen Märkten den Entwicklungsländern nur einen weiteren Kick gibt”, erläutert O’Neill. Der jüngste Anstieg der Nahrungsmittel- und Ölpreise bedeute, dass die Zentralbanken von Russland, Indien, China und Brasilien (BRIC) in Kürze ihre Zinserhöhungen beschleunigen müssten, sagt Scott Minerd, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen bei Guggenheim Partners LLC in New York verantwortlich. Die BRIC-Volkswirtschaften “müssen dramatische Massnehmen” bei der Geldpolitik ergreifen, um überhitzende Märkte abzukühlen und die Inflation zu bekämpfen, schrieb Minerd in einem Bericht vom 1. März. Die restriktive Geldpolitik werde zu einer wirtschaftlichen Abschwächung in den Schwellenländern führen, ergänzte er. Gleichzeitig werde China zu einem “Inflationsexporteur”, da die Arbeitskosten stiegen, sagte David Woo, Leiter der Analyse für Zinsen und Währungen bei Bank of America Merrill Lynch in New York in einem Fernsehinterview mit Bloomberg TV. Die Importpreise der USA für Güter aus China sind im Januar nach Angaben des Arbeitsministeriums um 0,3 Prozent gestiegen.

Die geldpolitisch Verantwortlichen könnten am Ende in die Lage kommen, die Leitzinsen gleichzeitig anzuheben, statt nach den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Volkswirtschaft und des Konjunkturzyklus. Das behindere die weltweite Konjunkturerholung, weil es die Möglichkeiten einzelner Länder begrenze, das Wachstum über die Exporte anzukurbeln, sagt Piero Ghezzi, Leiter Globale Volkswirtschaft, Schwellenländer und Devisen-Analyse bei Barclays Capital in London. Seine Kollegen gehen davon aus, dass die Federal Reserve im August 2012 beginnen wird, die Zinsen anzuheben. “Synchrone Zinsanhebungen sind immer schlecht für das globale Wachstum und die Märkte”, sagt Ghezzi. “Ich befürchte, dass sich die Zentralbanken eine Aufholjagd liefern werden”, ergänzte er. Die Verantwortlichen seien diesmal nicht in Eile, die Geldpolitik zu straffen, weil sie derzeit die Finanzstabilität über die Preisstabilität stellten, sagt hingegen Thomas Mayer, Chef-Ökonom bei der Deutschen Bank AG in Frankfurt. Er schätzt, dass die globale Inflationsrate bald bis auf sechs Prozent ansteigen könnte, wobei sie in den Schwellenländern nahe zehn Prozent liegen werde. Einen solchen Druck gab es weltweit zuletzt 2008, sagt Mayer, als Kreditkrise und Rezession den Märkten zusetzten. Dieses Mal würden die Zentralbanken die Inflation laufen lassen, sagt Mayer. Nichtsdestotrotz würden sie aber versuchen, die langfristigen Bond-Renditen niedrig zu halten und eine Wiederholung von 1994 zu vermeiden trachten. Mayer weist darauf hin, dass die britischen Anleiherenditen bei zehnjährigen Staatspapieren in der vergangenen Woche bei rund 3,6 Prozent lagen, während die Inflation im Januar bereits auf vier Prozent gestiegen ist.

(Bloomberg) 


 
 

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