Seit Mitte 2008 weist sie die drittschlechteste Wertentwicklung zum Euro auf, doch nun hat sich die norwegische Krone zum Favoriten der Währungsstrategen gemausert. In einer Umfrage von Bloomberg News prognostizierten die befragten Analysten, dass die Krone bis Juni nächsten Jahres zum Euro neun Prozent zulegen dürfte auf 8,2 Kronen. Die Krone gegen den Euro zu kaufen würde unter 48 Währungsgeschäften am meisten einbringen, sagen die Strategen. Nach dem Kursrutsch von 11 Prozent seit dem 30. Juni 2008 sei Norwegens Währung stark unterbewertet, sagt die US-Bank Citigroup.
“Die Krone steht vor einer kräftigen Erholung”, erwartet Peter Lucas, Fondsmanager bei RBC Wealth Management in Jersey. “In einem Umfeld steigender Rohstoffpreise und moderaten Risikoappetits wird die Krone zu den stärksten Währungen weltweit gehören. Zum Euro ist innerhalb einiger Monate ein Anstieg von knapp acht Prozent möglich.” Derzeit notiert die Krone bei 8,8272 Kronen je Euro. Der Optimismus der Währungsstrategen begründet sich auf die Konjunkturperspektiven und Erwartungen auf eine Zinserhöhung. Sie gehen davon aus, dass die norwegische Notenbank erstmals seit Juni 2008 die Zinsen anheben wird. Das würde die Erträge von auf Kronen lautenden Investments steigern. Die OECD prognostiziert, dass die norwegische Wirtschaft in diesem Jahr weniger schrumpft als die des Euroraums und 2010 stärker zulegen wird. Die norwegische Wirtschafsleistung dürfte in diesem Jahr um ein Prozent zurückgehen und nächstes Jahr um 0,8 Prozent wachsen. Hingegen dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum 2009 um 4,8 Prozent schrumpfen und 2010 stagnieren.
“Damit die norwegische Krone ihr Potenzial entfachen kann, muss die Norges Bank vorsichtiger bei der Inflation werden. Dafür gibt es einige Anzeichen”, berichtet Jeremy Hale, Leiter makroökonomische Strategie bei Citigroup. Wenn die Zinsen steigen, wird die Krone attraktiver gegenüber Währungen aus Ländern mit niedrigeren Zinsen, beispielsweise USA, Euroraum, Schweden und Grossbritannien. Royal Bank of Scotland Group Plc riet dazu, die Krone gegen die britische Währung zu kaufen. Sie rechnet damit, dass die Krone zum Pfund bis zu 5,6 Prozent zulegt, da sich die Konjunktur in Norwegen erhole, während die Rezession in Grossbritannien anhalte. Andreas Burhoi, Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft DWS in Frankfurt, will seine Bestände an Kronen von einem bis auf fünf Prozent seines Fondsvermögens aufstocken. “Die Investoren werden zuversichtlicher und werden Geld in Norwegen investieren”, prognostiziert Burhoi. “Es ist nicht so, dass Norwegen so toll ist, aber die anderen Länder sind noch schwächer.” Noch optimistischer ist David Bloom, Leiter Devisenstrategie bei der britischen Bank HSBC Holdings. “Es gibt nichts Besseres als die norwegische Krone. Sie ist sicher.”
Zum US-Dollar sei die Krone 29 Prozent und zum Euro 35 Prozent unterbewertet, sagt Bank of America Merill Lynch und verwies auf Differenzen bei der Preis- und Wachstumsentwicklung in den drei Volkswirtschaften. Auch bei den Optionshändlern nimmt der Pessimismus gegenüber der Krone ab. Das geht aus den Einmonats-Risk-Reversals hervor, die die Preise für Kauf- und Verkaufskontrakte auf die Währung vergleichen. Verkaufsoptionen auf die Krone kosteten am 24. Juli 1,4975 Prozentpunkte mehr als Kaufoptionen. Das ist auf Schlusskursbasis der tiefste Wert seit dem 21. Oktober. Am 24. Dezember belief sich die Differenz noch auf ein Rekordhoch von 3,8 Punkten. (Bloomberg)









