Finanzvertriebe, darunter AWD, Dvag, OVB und Ariconsec, machen in letzter Zeit vor allem durch Negativ-Schlagzeilen von sich reden. So machte AWD erst vor Kurzem durch den gerichtlichen Streit mit Dvag auf sich aufmerksam. Dabei ging es um die Bezeichnung des AWD als „unabhängiger Finanzdienstleister“, diese darf das Unternehmen nach einem Urteil des Landesgerichts Hannover nicht länger tragen. AWD schlug den Kläger Dvag jedoch mit den gleichen Waffen. Dvag darf somit nach einem Sieg des AWD vor dem Landesgericht Hannover nicht mehr mit den Slogans „weltweite Nr. 1 der eigenständigen Finanzvertriebe" oder "weltweit grösster eigenständiger Finanzvertrieb" werben. Doch dieser Erfolg des AWD ändert nichts an den getrübten Zukunftsaussichten des Finanzdienstleisters. Denn sollte dieser sein Konzept der unabhängigen Beratung mit einer offenen Produkt-Architektur verlieren, „wäre er nichts mehr wert“, so der ehemalige Verwaltungsratspräsident der AWD-Mutter Swiss Life, Bruno Gehrig. Swiss Life erwarb den AWD 2007 um 1,9 Mrd. Franken. Falls AWD die Bezeichnung „unabhängig“ nicht bis Ende Juli aus dem Internet und bis Ende September aus übrigen Werbemitteln entfernt, droht eine Strafe von 250 000 Euro. Das Unternehmen plane derzeit zusätzlich zur Berufung vor dem Oberlandesgericht Celle weitere rechtliche Schritte.
Die Vermögensberatungsgesellschaft OVB erregte erst diese Woche durch die Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Michael Frahnert die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die Gründe der Abberufung blieben bis dato unbekannt, das Kontrollgremium meinte, das Vertrauen zwischen dem Aufsichtsrat und Frahnert sei einfach beeinträchtigt. Spekulanten meinen, Fahnert hätte vorgehabt, einen eigenen Finanzvertrieb zu starten und dafür geeignete Leute aus dem Unternehmen mitzunehmen. Dies habe der Aufsichtsrat zu verhindern versucht. Frahnert weist den Vorwurf der Geschäftsschädigung jedoch vehement zurück, er sei zu alt, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Unternehmen verfügt seitdem über keinen Vorstandschef.
Auch bei Ariconsults Partner, der Alphapool Versicherungsmakler AG, musste ein Vorstand gehen. Max Schlachter fiel Vorstandsänderungen zum Opfer, die vorgenommen wurden „um die Chancen von Alphapool in Zukunft wesentlich stärker und nachhaltiger zu nutzen“, so Werner Barwig, Vorstand von Ariconsult. Mit der Ariconsec stand eine weitere Ariconsult-Gesellschaft dieses Monat im Fokus des Interesses. Diese verlor vor dem Landesgericht Graz gegen den Verein für Konsumenteninformation (VKI) ein Verfahren wegen Falschberatung zu MEL-Zertifikaten. Diese wurden an einen konservativen Anleger als "sicher" bzw. "mündelsicher" verkauft. Die Ariconsec Investment GmbH ist somit schuldig, dem Kläger einen Betrag von 62.713,31 Euro gegen die Rückgabe von 3.793 MEL Zertifikaten zu bezahlen. Zusätzlich muss Ariconsec dem Kläger 5.640,78 zahlen sowie die Prozesskosten in Höhe von 12.719,68 Euro ersetzen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Auch die Muttergesellschaft Ariconsult stand in jüngster Zeit im Fokus des Interesses. So kursierte in Marktkreisen das Gerücht, dass diese sich aus dem Deutschlandgeschäft zurückziehen wolle. Vorstand Werner Barwig wies dies jedoch als „Unwahrheiten, die jeder Grundlage entbehren“ zurück. Das Umfeld für unabhängige Finanzberater sei allerdings auch in Deutschland seit dem Vorjahr sehr schwierig, gestand er ein. (kasp)









