Die geschlossenen Fonds, die mit der Wirtschaftskrise einen starken Einbruch bei Neuzeichnungen erlebten, konnten sich 2010 laut dem kürzlich erschienen Bericht des VGF (http://www.vgf-branchenzahlen.de/ ) erholen, liegen aber noch weit hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Die zusammengefassten Zahlen findet man hier: http://www.boerse-express.com/ . Stark verändert in den letzten Jahren haben sich allerdings die Anlagetrends.
Gesamte Eigenkapitalplazierung: 5,84 Mrd. Euro (+13%)
2010 wurden 5,84 Mrd. Euro an Eigenkapital platziert, wobei der Dezember mit 833 Millionen der stärkste Monat war. Gegenüber 2009 mit 5,14 Mrd. nahm das Neu-Volumen somit um gut 13% zu. 2008 waren es allerdings noch 8,3 Mrd. und 2005 sogar 11,0 Mrd. was fast der doppelten Höhe entspricht. Bis dahin dürfte es also noch ein weiter Weg sein. Bei den Immobilienfonds Deutschland legte 2010 das Plazierungsvolumen um 46% auf 1,6 Mrd. zu, bei den gebeutelten Schiffsfonds um 34% auf knapp eine Milliarde. Energiefonds legten um 52% auf 0,83 Mrd. zu. Dagegen halbierte sich der Zufluss zu Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt im Ausland auf 0,72 Mrd. Am meisten legten Leasingfonds zu, um 87% auf 78 Mio., sowie Private Equity um 73% auf 400 Mio.
Interessant sind aber vor allem die langfristigen Trendverläufe, die eine starke Änderung in den Schwerpunkten der Anleger zeigen. Zwar dominieren Immobilien nach wie vor mit 40% des Bestandsvolumens, doch bei den restlichen Kategorien gibt es deutliche Verschiebungen:
Lebensversicherungsfonds-Geschäft ist tot
Das Geschäft der Lebensversicherungsfonds kam völlig zum Stillstand: Waren es 2009 noch 103 Mio., so erreichten sie 2010 nur mehr 50.000 Euro. Grund ist die mangelnde Rentabilität von Lebensversicherungen im derzeitigen Zinsumfeld. In der Vergangenheit war dieses Segment dagegen eines der aktivsten: Im Jahr 2005 konnten etwa rund 1,5 Mrd. Euro plaziert werden. Der Bestand an Lebensversicherungsfonds ist mit 5,6 Mrd. Euro immer noch relativ hoch, Private Equity Fonds liegen mit 6,8 Mrd. nicht allzu weit darüber. Lebensversicherungen könnten in den nächsten Jahren aufgrund verfehlter Renditeerwartungen zunehmend zu einem Problem für die Anleger werden, was natürlich ebenso die Lebensversicherungsfonds betrifft.
Die in den letzten Jahren gehypten Schiffsfonds, bei denen 2007 noch 3,15 Mrd. plaziert wurden, sind nun auf 1 Mrd. geschrumpft, was dem Niveau von 1999 entspricht. Auch Immobilien haben ihre besten Zeiten gesehen, die Neuplazierungen schrumpften von den über 5,2 Mrd. im Jahr 1999 auf rund die Hälfte. Private Equity verbuchte 2006 den Rekord bei 2,1 Mrd. und liegen nun bei nur mehr 400 Mio.
Nur Energiefonds haben seit 1999 deutlich zugelegt
Auf Rekordhoch befinden sich dagegen die Zuflüsse in Energiefonds, die 830 Mio. erreichten (1999: 220). Energie scheint also nach wie vor ein Lieblingsbetätigungsfeld der Anleger zu sein, möglicherweise werden aber hier die Risiken unterschätzt, denn Energie ist immer ein politisch dominiertes Gebiet, wie man anhand der staatlichen Energieförderung (Einspeisungspreise) zuletzt sehen konnte. Auch wenn Windparks, Solarenergie, Geothermie und Biomasse ein positives Image haben, sind solche Investitionen sorgfältig hinsichtlich der Risiken zu prüfen!
Es wird fast nur an Privatanleger plaziert, die Hälfte davon vermitteln Bankberater
Interessant ist, dass nur 620 Mio. bei institutionellen Investoren (davon je ein Drittel bei Versicherungen und Versorgungswerken) plaziert wurden, aber 5,2 Mrd. bei Privaten. Geschlossene Fonds werden also de facto fast nur bei Privatpersonen untergebracht. Ziemlich genau die Hälfte der Plazierungen bei Privaten lief über Banken (2,57 Mrd), ein Drittel (1,8 Mrd) über freie Vertriebe, 8% via Direktvertrieb über Anbieter. Geschlossene Fonds sind aufgrund oft üppiger Provisionen beliebte Objekte der Vermittlung.
Doppelt so hohe Zuflüsse wie Rückflüsse, Sekundärhandel erholt
Die nicht vollständig erfassten Auszahlungen erreichten 2010 rund 2,64 Mrd. nach 2,1 Mrd. Somit wurde mehr als doppelt soviel neu in geschlossenen Fonds investiert, als die Rückflüsse ausmachten. Da geschlossene Fonds keinen Ausstieg vor Ablauf der Veranlagungsfrist erlauben, spielt der Handel der Anteile am Zweitmarkt eine große Rolle. Bei Private Equity (PE), Immobilien- und Schiffsfonds erhöhte sich der Umsatz 2010 wieder entscheidend, nachdem es im Gefolge der Krise zu einem Einbruch gekommen war, und zwar von 1,8 auf 16, 6 Mio. (PE), 98 auf 153 (Immo) und 56 auf 146 Mio. (Schiffe). Auch dies hat der Anleger zu berücksichtigen, dass u.U. in einem krisenhaften Umfeld Verkäufe nicht oder nur schwer möglich sind.
136.000 Anleger investierten im Schnitt 26.300 Euro
Die Anzahl der Anleger erreicht zusammen 136.000, davon 30.000 in Immofonds Deutschland, 17.000 Immofonds Ausland, je 16.000 Private Equity, Flugzeug- und Energiefonds, 12.500 Schiffsfonds. Gezeichnet wurden je Anleger im Durchschnitt zwischen 29.500 und 34.000 Euro bei Immobilienfonds, Schiffsfonds und Infrastrukturfonds, rund 25.000 bei Flugzeug-, Energie- und Leasingfonds. Im Gesamtdurchschnitt 26.300 Euro.
Da viele Schiffsfonds nach wie vor gröbere Probleme haben, hier noch eine Auflistung der Anbieter nach Eigenkapital der Schiffsfonds: Nordkapital 115 Mio, HCI 101, Conti 95, Oltmann 64, MPC Capital 53, MCE 52, Hansa Treuhand 52, Lloyd Fonds 47, GEBAB 43, Atlantic 33. Zu den Schiffsfonds erscheint in Kürze ein ausführliches Interview mit einem Marktkenner.
(cr)






