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Seltene Erden

In Seltene Erden direkt und physisch investieren – Interview mit H. Weimer, Emuro   Facebook be



06.02.2011
 
Physisches Direktinvestment statt Aktien der Verarbeiter

Das Problem ist relativ rasch beschrieben. Der Anleger möchte in Seltene Erden (Rare Earth Elements = REE) investieren, um direkt an der Preisentwicklung dieser Rohstoffe zu profitieren, doch es gibt keine entsprechenden Produkte. Zwar gibt es eine Vielzahl von Zertifikaten und einige ETFs, die sich den Namen der Seltenen Erden umhängen, doch bei genauerer Betrachtung handelt es sich um Aktienbaskets von Förderunternehmen oder Verarbeitern dieser Rohstoffe. Das Problem dabei ist, dass sich die Preisentwicklung dieser Aktien nur sehr lose an den Preisen der Seltenen Erden orientieren wird, wenn überhaupt. Befinden sich doch in diesen Produkten mangels genügender Alternativen Aktien von Unternehmen, die nur zum Teil mit Seltenen Erden zu tun haben oder überhaupt erst in der Aufbauphase sind und daher hoch-spekulativ.
Unter diesen Aspekten scheint daher der Ansatzpunkt der Emuro.de, dem Anleger Zugang zu physischen Direktinvestments zu bieten, interessant. Im folgenden haben wir daher den Geschäftsführer der Emuro (Emuro steht für EdelMetalle Und ROhstoffe) um ein Interview ersucht.

INTERVIEW

BE: Herr Weimer, wie funktioniert der Kauf eines Seltenen Erde-Paketes genau? Erwirbt der Anleger einen Anteil an einem physisch gedeckten Korb von Seltenen Erden?

Weimer: Über www.emuro.de erwirbt der Anleger ausschließlich physische Metalle bzw. Oxide der Seltenen Erden. Die Zusammenstellung oder Auswahl der Metalle führt der Anleger eigenständig durch oder er lässt sich entsprechende Metalle oder Oxide von Emuro zusammen stellen. Dabei wird auf höchste Qualität der Produkte geachtet, damit auch ein späterer Wiederverkauf an die Industrie sicher gestellt ist. Auch der zukünftige Bedarf bzw. die Verfügbarkeit von leichten und schweren Seltenen Erden wird dabei berücksichtigt.

BE: Wie kann der Anleger sicher gehen, dass die Deckung mit den Erden tatsächlich gegeben ist? Wie schnell werden erforderliche Bestandsänderungen beim Einstieg neuer Anleger durchgeführt?

Weimer: Eine Investition wird nur dann für den Kunden ausgeführt, wenn der Gegenwert in Form von physischen Metallen oder Oxiden auch auf dem Markt erhältlich ist. D.h. die Bestandsveränderung erfolgt sofort. Alle Waren, die in das Zollfreilager eingeführt bzw. gelagert werden, müssen im Zolllagerbuch genauestens dokumentiert werden. Auf dem Lagerkonto- bzw. Gewichtskontoauszug des Kunden ist die eingelagerte Menge und die Art der Metalle/Oxide festgehalten, die der Kunden gekauft bzw. im Zollfreilager eingelagert hat.

BE: Was passiert aber nun im Konkursfall, eine Frage die sich jeder Anleger stellen muss? Hätte dann der Anleger das Recht auf Ausfolgung eines Sondervermögens? Wenn nein, sind die Seltenen Erden im Besitz einer Gesellschaft, die kein Konkursrisiko hat, das sie sonst keine Tätigkeit ausübt und keine Verbindlichkeiten eingeht (ähnlich wie bei diversen physisch unterlegten Goldinvestments oder Xetra-Gold) ?

Weimer: Das eingelagerte Metall des Kunden im Zollfreilager gehört grundsätzlich zum Sondervermögen. Im Konkursfall ist das Eigentum der Kunden also 100% geschützt und fällt nicht in die Konkursmasse.

BE: Wo kann der Anleger die laufende Wertentwicklung seines Investments verfolgen?

Weimer: Der Anleger erhält jedes Quartal einen Lagerauszug über seinen eingelagerten Metallbestand sowie eine Mitteilung über die Höhe seines Depotwertes (Wert seiner eingelagerten Metalle). Einen börsennotierten Handel für Seltene Erden gibt es derzeit nicht, d.h. es stehen auch keine laufenden Kurse zur Verfügung. Es gibt einige englischsprachige Anbieter (Z.B. Metal-Pages), die in der Regel jedoch mit der Kursstellung oft Wochen hinter her hinken.

BE: Ist die Steuerfreiheit für deutsche Steuerpflichtige nach einem Jahr Behaltedauer wirklich gesichert? Bei Xetra-Gold scheint dies ja nicht zu klappen (dzt. wird gegen die anderslautende Meinung des dt. Finanzamtes prozessiert)..... Ist die MWST-Freiheit 100%ig gewährleistet?
Wissen Sie zufällig auch, wie dies für in Österreich Steuerpflichtige aussieht?

Weimer: Für deutsche Steuerpflichtige ist exakt nach einem Jahr und einem Tag Haltedauer die Steuerfreiheit bei realisierten Gewinnen gesichert. Bei der Anlage über Emuro handelt es sich um Investitionen in physische Waren und nicht in Investitionen in irgendwelche Papierprodukte. Jeder kompetente Steuerberater wird Ihnen die entsprechenden Paragraphen aus dem Einkommensteuergesetz zitieren. Nach Auskunft eines befreundeten Steuerberaters aus Österreich beträgt die Haltefrist für in Österreich Steuerpflichtige ebenfalls ein Jahr. D.h. nach einem Jahr Haltefrist sind die Gewinne steuerfrei.

BE: Nach welchen Kriterium setzt sich das Investment in die Seltenen Erden zusammen? Bleibt die Zusammensetzung des Seltenen Erden Portfolios immer dasselbe oder wird hier aktiv wie bei einem Fonds gemanagt?

Weimer: Für die Privatinvestoren, die sich direkt in den Seltenen Erden engagieren wollen, heißt es, die magnetischen und die phosphoreszierenden Metalle bzw. deren lagerfähigen Oxyde physisch zu erwerben und damit dann durch die Lieferengpässe zu profitieren. Da es sich mit dieser Anlage um eine mindestens mittelfristige handelt, sollte die künftige Versorgungslage (oder deren derzeitige Einschätzung) ab 2012/2013 beachtet werden. Wenn die interessantesten Vorhaben der Explorationsunternehmen z.B. von Molycorp in Kalifornien, Avalon sowie Great Western Minerals in Kanada und von Lynas und Arafura in Australien zum Tragen kommen, wird es ausreichend genug leichte REE geben, aber die schweren werden auch dann immer noch unter Versorgungsproblemen leiden.
Natürlich ist bei dieser Betrachtung eine Menge Risiko für Fehleinschätzungen der Weltkonjunktur, neuere Erfindungen und der Steigerung der Produktionskosten vorhanden, aber die Grundeinschätzung zur Anlage in physischen Seltenen Erden bleibt bestehen: Die Preise werden weiter steigen müssen, weil Angebot und Nachfrage in keinem ausgewogenen Verhältnis stehen, weil sich die Herstellungskosten auch in China stark nach oben entwickeln werden und - dies ganz besonders wichtig - die Nachfrage nach allen Seltenen Erden ungebrochen ist. Deshalb werden die magnetischen und die schweren Seltenen Erden bei der Anlageentscheidung durch Emuro in den Vordergrund gestellt und dem Kunden auch empfohlen. D.h. das Portfolio bleibt für die nächsten 2-3 Jahre in der Zusammensetzung unverändert.

BE: Um noch etwas ins Detail zu gehen. Wie geht jetzt der Anleger genau vor? Kann er sagen, ich möchte um x Euro vom Rohstoff A, um y Euro von B und um z Euro von C?

Weimer: Die Mindestanlagesumme beträgt 10.000 Euro, die Mindestanlagesumme für ein einzelnes Metall-Oxid beträgt 2.000 EUR. D.h. im günstigsten Fall kann der Kunde um 10.000 Euro in 5 verschiedene Oxide investieren. Die administrativen Kosten beziehen sich immer auf die Gesamtanlagesumme. Es ist also unerheblich, ob ein Kunde in ein Oxid oder in fünf verschiedene Oxide investiert. Die jährlichen Lagerkosten betragen 2%, der Ausgabezuschlag beträgt ab 10.000 Mindestanlage: € 3%, ab 30.000 € 2% und ab 50.000 €: 1,5%.

BE: Unterliegt Ihre Geschäftstätigkeit irgendeiner Aufsicht oder Regulierung?

Weimer: Nein, die Geschäftstätigkeit unterliegt keiner Aufsicht oder Regulierung.

BE: Sind Ihnen schon andere Anbieter mit einem ähnlichen Anlagemodell wie dem Ihrigen bekannt? (falls Sie Dacha-Capital kennen, was ist davon zu halten?).

Weimner: Bei Dacha-Capital erwirbt der Anleger Aktien der Gesellschaft, keine physischen Rohstoffe. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Die Direktinvestition über www.emuro.de , ohne starre Warenkörbe oder komplizierte Beteiligungsmodelle, in einzelne Oxide der Seltenen Erden und Einlagerung in einem Zollfreilager in Deutschland ist m.E. einzigartig.

BE: Wie beurteilen Sie die derzeit erhältlichen Surrogate in Form von Zertifikaten oder ETFs, die sich mit dem Begriff der Seltenen Erden schmücken, aber in Wirklichkeit nur in Verarbeiter/Minen Seltener Erden investieren? Sehen Sie hier einen Hebel (ähnlich wie bei Silber/Silberminen) oder eher die Gefahr, dass eine unvorhersehbare, völlig von der Preisentwicklung der Seltenen Erden abgekoppelte Entwicklung eintritt?

Weimer: Mit Ausnahme der Zürcher Kantonalbank traue ich keinem der Treuhand-Institute, die ja ihre Interessen genau auf der anderen Seite haben. Wie soll das gut gehen? Wenn die HSBC und JPM Treuhänder der größten Gold- und Silber-ETFs sind, aber gleichzeitig extreme Shortpositionen für sich selbst unterhalten, da stimmt doch etwas nicht? Zumindest sind Interessenkonflikte schon vorprogrammiert. Zertifikate sind noch eine Nummer schlimmer, denn sie sind ja von der Existenz der Emittenten abhängig und das genau will ja der Rohstoffanleger vermeiden. Ich erinnere mich noch genau an die Schieflagen der Finanzindustrie bei Nickel vor einigen Jahren. Nickel stieg gegen jede Vernunft, man spekulierte, gab Futures aus und zum Schluss Zertifikate, damit auch Tante Emma am Nickelboom teilnehmen konnte. Als dann der Tag der Wahrheit kam und physisches Nickel nicht geliefert werden konnte, erklärte man die Force-Mayeure-Klausel. Die Futures wurden in bar ausgeglichen, für die Zertifikate gab es pauschale Entschädigungen. Aber der erwartete Gewinn wurde dadurch nie erzielt.

BE: Erwarten Sie eventuell längerfristig eine starke Korrektur bei den Preisen der Seltenen Erden, sobald der Abbau außerhalb von China wieder in Schwung kommt (in den USA, Australien, Afrika)? Immerhin haben sich etliche Erden innerhalb der letzten ein, zwei Jahre im Preis verfünffacht und mehr. Ferner durch eine verstärkte Gewinnung aus Recycling?

Weimer: Der Abbau aus den nichtchinesischen Lagerstätten wird erst ab Ende 2013 den Markt beeinflussen. Bis dahin sind die gefragten REE-Rohstoffe König. Und die genau heißt es jetzt auszusuchen und in physischer Form zu lagern. Ein Wort zum Recycling: Das Thema wird uns ab dem Jahre 2015 beschäftigen. Da wird es Seltene Erden geben, die es gar nicht wert sind, recycelt zu werden und solche, die man recyceln muss. Das wären dann die richtigen Seltenen Erden, die man heute hätte kaufen müssen. Ein Aber: Die Separation von REE ist extrem aufwendig und verfahrensmäßig komplex. Ähnliches gilt auch fürs Recyceln und damit wird es noch eine Weile dauern.

BE: Gibt es Anzeichen, dass für einzelne Seltene Erden ein Futures-Handel aufgenommen wird? Wie transparent ist überhaupt der Markt? Wo kaufen Sie die Seltenen Erden? Muss man direkt zu den Förderunternehmen gehen oder gibt es eine Art Markt mit transparenter Preisbildung?

Weimer: Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass für Seltene Erden ein Future-Handel aufgenommen wird. Die Seltenen Erden werden über lizensierte Metallunternehmen in China gekauft. Die chinesische Regierung kontrolliert dabei die Anzahl der Firmen, die Seltene Erden überhaupt exportieren dürfen.

BE: Vielen Dank für das Interview

Link: www.emuro.de

(cr)
Abbildung: Samarium unter Argon


 
 

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