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Skandinavische Bonds sind attraktiv   Facebook be



26.01.2011
 

Skandinavien wird nach Ansicht von Merrill Lynch immer attraktiver für Bondanleger. Investoren, die Anleihen aus den am höchsten verschuldeten Ländern der Euroregion abstossen, wenden sich stattdessen verstärkt den Bondmärkten von Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark zu. Dies berichtete Bill O’Neill, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika bei Merrill Lynch Wealth Management zuständig. Es gebe ein vermehrtes Interesse an Ländern mit einer “flexibleren Geldpolitik”, sagte O’Neill in einem Gespräch mit Bloomberg News.

Am Markt würden zunehmend die negativen Auswirkungen der einheitlichen EZB- Geldpolitik und der Einheitswährung in der Eurozone auf die Peripherie-Staaten berücksichtigt, sagte der Anlageexperte. Entsprechend werde derzeit vermehrt in skandinavische Länder umgeschichtet, die überwiegend nicht der Europäischen Währungsunion angehörten. Die Anleger seien dabei, ihre Strategien zu überdenken, sagte O’Neill, und neigten vermehrt zu Ländern mit niedrigen Haushaltsdefiziten und hohen Aussenhandelsüberschüssen. Staaten ohne Haushaltsprobleme und mit flexibleren Währungen hätten im Vergleich mit Staaten, die mit strukturellen Problemen zu kämpfen haben, Vorteile bei den Kapitalzuflüssen, erläuterte O’Neill. “Die Investoren erkennen die Vorteile von Nordeuropa und sind bereit, in diese Länder umzuschichten”, sagte der Stratege.

Zwar seien die dortigen Rentenmärkte gerade im Vergleich zu Deutschland recht klein: “Aber die mangelnde Liquidität ist nur einer von einer ganzen Reihe von Faktoren”. Insgesamt stütze die gesamte Bilanz die Mittelzuflüsse, sagte O’Neill. Im Vergleich zur in Europa massgeblichen zehnjährigen Bundesanleihe haben schwedische Staatsanleihen gleicher Laufzeit am Montag einen Renditeaufschlag von 18 Basispunkten aufgewiesen. Diese Renditeprämie lag Ende Dezember noch bei 34 Basispunkten, wie aus Bloomberg-Daten hervor ging. Im Falle von zehnjährigen finnischen Staatspapieren ist der Risikoaufschlag von 28 Basispunkten Ende November auf zuletzt 19 Basispunkte geschrumpft. Zum Vergleich: Zehnjährige Anleihen aus Portugal verzeichnen einen Risikoaufschlag von 349 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen. Schweden, Dänemark und das Euroland-Mitglied Finnland profitieren damit von ihren deutlich unter dem Durchschnitt der Eurozonen-Mitglieder liegenden Haushaltsdefiziten. Für Norwegen wird nach Angaben des Osloer Finanzministeriums sogar ein Haushaltsüberschuss nahe von 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet. In Schweden, der grössten Volkswirtschaft im Norden von Europa, und in Finnland profitiert die Wirtschaft derzeit von einem ausgeprägten Exportboom, der nach Ansicht von O’Neill für Wachstumsraten von rund drei Prozent sorgen wird. Bei Schweden rechnet der Stratege sogar mit einem Wachstum von bis zu 3,5 Prozent. Dagegen wird für die 17 Mitglieder umfassende Eurozone 2011 nach Schätzungen der EU-Kommission in Brüssel ein Wachstum von 1,5 Prozent erwartet. Deutschland werde allerdings voranlaufen und auf ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent kommen.

Schweden hatte sich im letzten Jahr besonders deutlich von der Finanz- und Wirtschaftskrise erholt und mit einem Wachstum von 5,5 Prozent den höchsten Wert in der Europäischen Union erreicht. Die Notenbank in Stockholm hat zudem seit Juli bereits viermal die Leitzinsen angehoben, zuletzt im Dezember auf nunmehr 1,25 Prozent. Zentralbankpräsident Stefan Ingves hatte weitere Zinsanhebungen zur Steuerung der Erholung in Aussicht gestellt. Beim schwedische Bruttoinlandsprodukt rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 4,4 Prozent im laufenden Jahr. Auch die norwegische Zentralbank hat bereits für die Jahresmitte höhere Leitzinsen in Aussicht gestellt. Norwegen ist der siebtgrösste Ölexporteur der Welt. Bereinigt um die Erlöse aus dem Öl- und Gasexport, wird die Wirtschaft in Norwegen in diesem und dem kommenden Jahr um etwa drei Prozent wachsen, wie die Notenbank in Oslo derzeit prognostiziert. Zugleich setzt die Europäische Zentralbank in Frankfurt auf einen weiterhin besonders niedrigen Leitzins, der seit Mai 2009 unverändert bei einem Prozent liegt. Nach den Worten des EZB- Präsidenten Jean-Claude Trichet vom 13. Januar ist dieses Niveau “weiterhin angemessen”. “Irgendwann werden Länder wie Griechenland oder Irland vielleicht wieder interessant für die Anleger”, sagte O’Neill, “derzeit aber ist es unmöglich, dass tatsächlich Geld in diese Märkte hineinfliesst.”

 

(Bloomberg) 


 
 

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