Ein Blick auf den ATX im 5-Jahresvergleich zeigt, dass die Einzeltitel aus demIndex im Durchschnitt besser dastehen als der Index selbst.Wie das geht? Die Umschichtungen innerhalb des Wiener Leitindex haben dazu geführt, dass heute zum Teil eine andere Auswahl vorhanden ist, als sie der Indexperformance entspricht, wo ja die jeweils aktuellen Werte enthalten sind. Fazit: Einzelinvestoren haben mit einiger Wahrscheinlichkeit gar nicht so schlecht abgeschnitten. Wer auf den Index gesetzt hat, erzielte aufgrund der Finanzkrise nur ein eher mageres Ergebnis von +4,7% Performance im ATX (per Freitag). Die meisten Fondsmanager konnten während dieses Zeitraums den Index nicht schlagen. Einer schon, aber der ist nicht mehr im Amt.
Andritz ist 5-Jahressieger
Die Top/Flop-Liste auf 5-Jahressicht zeigt starke Gewinner: Andritz-Aktien stehen in dem Zeitraum satte 210% höher. Auch bwin (+174%) und Verbund (+122%) sind krisenresistente Werte gewesen. Dahinter notieren noch weitere sechs Werte im Plus: voestalpine (+95%), Schoeller- Bleckmann (+88%), OMV (+52%), Mayr- Melnhof (+37%), Vienna Insurance Group (vormals Wr. Städtische; +23%) und EVN (+9%). Dazu kommt (bis auf bwin) ja auch noch eine Dividende, da wir bislang von reiner Kursperformance sprechen.
"Nur" sechs Mitglieder aus dem heutigen ATX notieren im 5-Jahresvergleich im Minus.Das ist allerdings ob des doch schon längeren Zeitraums wenig Trost. ImDetail: Telekom Austria (-13%), RHI (-28%), Erste Group (-37%), FlughafenWien (-42%), AUA (-61%) und Wienerberger (-68%). Fünf weitere Titel des heutigen ATX fallen aus dem ATX-5-Jahresranking, weil sie noch nicht solange für den Index verfügbar waren (späteres IPO). Das gilt für Intercell (Börsegang 28.5.2005 zu 5,50 Euro), Österreichische Post (31.5.2006 zu 19 Euro), Raiffeisen International (25.4.2005 zu 32,5 Euro), Strabag SE (19.10.2007 zu 47 Euro) und Zumtobel (12.5.2006 zu 20,5 Euro).
Die "Neulinge" aus der Sicht von fünf Jahren ATX bringen sehr unterschiedliche Performamcezahlen mit. Intercell schlägt (in kürzerer Zeitspanne) sogar noch Andritz, denn der Pharmawert kommt seit seinem IPO auf +355% Wertzuwachs. Die Post- Aktie bleibt mit +12% seit Börsegang zwar schlank, konnte aber jeweils sehr schöne Dividenden dazulegen. Leicht im Minus seit Börsegang präsentieren sich: Raiffeisen International (-12%), stärker schon Strabag SE (-67%) und Zumtobel (-63%).
Klassische Investmentfonds sollten es eigentlich schaffen, den Index zu schlagen. Gerade im Fall ATX ist aber der Konjunktiv leider angebracht, denn nur ein einziger heimischer Fonds schaffte das im betrachteten 5-Jahres-Fenster (per Ende Juni) auch wirklich: Der "Meinl Equity Austria" liegt mit mehr als +9% Wertzuwachs über der reinen ATX-Entwicklung, da sind aber noch keinerlei Spesen mit einberechnet. Für die Investmententscheidungen verantwortlich zeichnete im Wesentlichen Wolfgang Matejka (siehe Bild). Er managt den Fonds aber seit kurzem nicht mehr und ist in den Aufsichtsrat eingezogen.
Zieht man die 3-Jahres-Performance als Indikator heran, liegen auch der "Allianz Invest Plus" und der "C-Quadrat Absolute Austrian Equity" sehr gut.
Nachbildung bringt wenig
Für die Umsetzung durch den Anleger bedeutet das: Mit ETFs ist man stets am Durchschnitt, wenn auch spesengünstig. Für Aktien der Wiener Börse wäre das zuletzt wenig zielführend gewesen. Fonds schlagen den ATX leider auch nicht immer, zumindest auf Sicht gewisser Perioden. Bleiben für risikofreudigere Anleger Einzelinvestments oder ein entsprechend langer Investmenthorizont. Den sollte man aber ohnehin immer haben.
Aus sem Börse Express vom 20. Juli 2009
Abos unter www.boerse-express.com/abo






