Seltene Erden waren das Thema Nummer 1 in der Rohstoffbranche nach Edelmetallen im Jahr 2010. Vor kurzem gab es erneut Meldungen über den restriktiven Export dieser Metalle durch China. Entsprechend haben sich die Preise einiger Seltener Erden in den letzten 12 Monaten (per 30.9) verdrei- bis verfünffacht, zB stieg Lanthan Oxyd von 6 auf 24 USD/kg, Cer von 4 auf 23, Neodym von 14 auf 55, Samarium von 5 auf 15 etc. (http://www.lynascorp.com/ , Seite 8).
Für den Anleger ist allerdings ein direktes Investment in Seltene Erden nach wie vor unmöglich. Ausgenommen von Möglichkeiten wie zB Dacha Capital (siehe http://www.foonds.com/ ) besteht die einzige Möglichkeit eines Investments für den Kleinanleger in Form von ETFs (zB von Van Eck, siehe http://www.foonds.com/ ) oder Zertifikaten auf Unternehmen, die in der Seltenen Erden Branche tätig sind.
Emissionsflut an Seltene-Erden-Zertifikaten
Gerade bei Zertifikaten kam es in der letzten Monaten zu einer Emissionsflut, da Seltene Erden zu einem Modethema wurden. Allein am Schweizer Ableger der Derivatebörse Scoach notierten im Dezember sieben solche Zertifikate, z.B. von EFG, UBS, RBS, Vontobel. Insgesamt findet man an der Scoach folgende Zertifikate bzw. Indizes:
RBS Rare Metals Mining (CH0112791485)
EFG Solactive Rare Earth in Euro (CH0112278566) und anderen Währungen
UBS Rare Earth ex China Basket (CH0119520341)
Vontobel Voncert auf Seltene Erden (CH0113286758) (http://derinet.vontobel.ch/ )
Commerzbank Seltene Erden (DE000CZ33EA1)
Im Dezember hat die Societe Generale mit dem SG Rare Earth Basket (DE000SG1YRE5) ein weiteres Produkt auf den Markt gebracht, das in 14 verschiedene Unternehmen dieser Branche investiert (http://www.godmode-trader.ch/ ).
All diese Produkte bilden mehr oder minder meist dieselben Unternehmen ab, wobei sie sich in ihrer Gewichtung unterscheiden können.
Riskante Minen-Pennystocks als Basis der Zertifikate
Das Problem bei den Basiswerten besteht darin, dass viele dieser Minenaktien sehr volatil sind, und es sich oft um Pennystocks mit geringer Marktkapitalisierung handelt. Etliche davon haben noch nicht einmal mit der Förderung der Erden begonnen und schreiben seit Jahren Verluste aufgrund hoher Anfangsinvestitionen. Zudem ist gerade ein Investment in chinesische Seltene-Erden-Minen nicht oder nur eingeschränkt möglich, die sie ausländischen Anlegern zum Teil nicht zugänglich sind. China verfügt über 35-40% der weltweiten Vorräte und baut derzeit 97% der Seltenen Erden ab. Seltene Erden werden zwar außerhalb von China auch von einigen Großkonzernen abgebaut, aber deren Exposure in Seltene Erden ist bezogen auf ihren Umsatz zu gering, als dass sie ein sinnvolles Investment für dieses Thema darstellen würden. Daher bleiben nur kleine Unternehmen übrig.
In einigen der Zertifikate sind neben China Rare Earths Holding z.B. Molycorp (USA) (www.molycorp.com) und Lynas Corp (Australien) an vorderster Stelle enthalten. Diese beiden Unternehmen zeigen die Probleme des Sektors exemplarisch auf: Sie sind klein (Molycorp erzielte zB in Q1-Q3 nur 13 Mio. USD Umsatz, Lynas hat noch gar keinen Umsatz)), schreiben seit Jahren Verluste (Molycorp Q1-Q3/2010: -41 Mio USD) und möchten in der Zukunft die Produktion der Seltenen Erden ausweiten, wozu sie derzeit gerade diverse Kapitalquellen anzapfen. Da der Abbau sehr umweltschädlich ist, sind auch Umweltprobleme oder Abbaubeschränkungen aufgrund gesetzlicher Auflagen möglich, was schwer vorhersagbare Risiken und Kosten birgt.
Kursexplosionen – wie 2000 beim Internethype
An den Börsen sind die Aktienkurse dagegen wie bei Hoffnungswerten üblich, bereits stark gestiegen, was bei weiter anhaltenden Verlusten jederzeit zu starken Einbrüchen führen kann. Besonders seit November gab es teilweise extreme Kursgewinne, die auch auf die Auflegung der vielen Zertifikate zurückzuführen sind. Fast alle Unternehmen in den genannten Zertifikaten sind in den roten Zahlen, was ein hohes Rückschlagspotential für die Zertifikate erwarten lässt. Es könnte sich durchaus eine Blase wie 2000 bei den Internetaktien anbahnen. Beim Kurzverlauf zeigen viele der oben genannten Produkte starke Bocksprünge im Kurs. Seit Mitte des Jahres gibt es teils Zuwächse um 200%, allein seit November haben sich manche Produkte verdoppelt. Das Rückschlagspotential ist enorm, da es sich bei diesen Produkten um hypegetriebene Kursbewegungen handelt. Allein die rege Emissionstätigkeit im Zertifikatebereich mahnt zur Vorsicht.
Wie sieht es mit direkten Investments in die Rohstoffe aus?
Da keine Terminkontrakte auf Seltene Erden gehandelt werden, lassen sich diese Metalle nur durch physischen Erwerb und Lagerung durch den Emittenten abbilden, was kostspielig und umständlich ist, sodass derartige Produkte von Finanzdienstleistern derzeit nicht angeboten werden. Ein Umdenken ist derzeit im Gange, wurde doch erst kürzlich wie bei Edelmetallen üblich auch auf physisches Kupfer ein Produkt aufgelegt.
(cr)
Abbildung: Samarium unter Argongas (wikipedia)






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