Bei Öl ist 2011 mit einem Nachfragerekord zu rechnen, die Rohöllagerbestände sind derzeit im Sinken. Zudem macht sich die Erschöpfung kommerziell abbaubarer Öllager immer deutlicher bemerkbar. Das BP-Öl-Desaster erschwert es, Bewilligungen für neue Tiefseebohrungen zu erhalten. Nigeria ist politisch instabil und in Venezuela demontiert Präsident Hugo Chavez die industrielle Infrastruktur mit seinen Verstaatlichungsprogrammen zusehends. Wegen der ausser Rand und Band geratenen Notenpressen werden die Inflationserwartungen 2011 deutlich zunehmen, wodurch Rohstoffpreise tendenziell unterstützt werden – gelten sie doch als Inflationsabsicherung. Finanzinvestoren investieren zunehmend in Rohstoffe und treiben daher die Preise.
Der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten (Soft-Commodities) steigt wegen des zunehmenden Wohlstands in den Schwellenländern und der Biodiesel-Erzeugung weiter an. Commodity-Guru Jim Rogers hat erst unlängst in einem Bloomberg-Interview Farmer statt Broker als Beruf der Zukunft bezeichnet. Nicht ohne Grund, denn Rogers empfiehlt Agrarrohstoffe schon seit längerem und bleibt auch für die Zukunft bullish. Jim Rogers hat seine Agrarstrategie mittels des ELEMENTS Rogers Agriculture ETN (exchange traded note) auch Investoren verfügbar gemacht (Symbol: RJA) und die UBS bietet aktive Fonds auf Basis des Rogers International Commodities Index (RIC) an. Nach wie vor überzeugt ist Rogers auch von Gold und Silber (wobei er Silber bevorzugt) und von Energie.
Doch Commodity-Investments sind alles andere als einfach, selbst Profis fallen dabei immer wieder kräftig auf die Nase. Noch vor kurzem waren explodierende Kakaopreise das Top-Thema, Schokolade sah man schon so teuer wie Kaviar. So hat sich der Hedgefonds Armajaro im Sommer 240.000 Tonnen Kakao liefern lassen (die zweitgrösste je in London gelieferte Menge und 7% einer Jahresproduktion). Die Kakaopreise stiegen auf ein 33-Jahres-Hoch von über 2700 Pfund/t. Nun ist der Fonds dabei, die Bestände zu Preisen von 1800 bis 2000 Pfund zu verkaufen. (Jim Rogers hat übrigens schon im August von Kakao abgeraten!) Natürlich kann auch alles ganz anders kommen. In China kann die Immobilienblase platzen und sich dadurch das Wachstum deutlich verringern, was auf die ganze Welt übergreifen könnte.
Kleinanlegern offenstehende aktiv gemanagte Rohstofffonds gibt es im Vergleich zu Aktienfonds wenige, Rohstoffindextracker-ETFs sind ebenfalls relativ rar (19 - laut der Fonds Professionell Datenbank -, von sieben Anbietern) und die Performance der Rohstoffindizes (CRB, RIC, GSCI) ist zudem aufgrund ihrer Schwerpunkte extrem unterschiedlich. Neben den bereits erwähnten aktiven Fonds auf Basis des RIC-Index gibt es auch ETFs auf den RIC-Index (von Market Access), mehrere Lyxor-ETFs (SocGen) auf den Reuters-Jefferies-Commodities-Index (CRB) und Easy-ETFs (BNPP) auf den Goldman-Sachs GSCI. ETCs verlangen vom Anleger Markt-Know-How und bergen zudem ein unterschiedlich hohes Emittentenrisiko. Zudem gibt es - ausser bei den Edelmetall-ETFs - ein weiteres grosses Problem: Aussitzen von Verlusten ist oft keine gute Strategie, da meist die sog. Rollverluste (durch das Ersetzen auslaufender Futures in neue) das Investment kontinuierlich entwerten. Dazu ein Beispiel: Hätte man vor zwölf Jahren 100 USD auf herkömmliche Weise in Erdgas investiert, wären noch 3 USD übrig. Mit einer optimierten Rollstrategie, etwa dem UBS-CMCI-Produkt, wären es immerhin 147 USD, rechnet die UBS vor. Eine weite Spielwiese für Rohstoffanleger bietet jedoch der Zertifikatemarkt. (cr)
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Hinweis 1: Dieser Beitrag stammt aus der BE-Weihnachtsausgabe für 2011. Dort sind die Einschätzungen heimischer Kapitalmarktexperten für das kommende Anlagejahr zusammengefasst. Kostenlos downloaden:
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Hinweis 2: Der Börse Express hat das Thema "Rohstoffe" in den vergangenen Wochen umfassend behandelt und eine eigene Sonderausgabe produziert - zu beziehen "direkt" unter
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